Planungswerkstatt Flächennutzungsplan – eine Einschätzung – oder brauchen wir Wachstum?

Kleinschwarzenlohe - Am Samstag, 08.04.2017 fand in der Rangauhalle die Planungswerkstatt der Gemeinde zur Änderung des Flächennutzungsplanes statt. Hier sollte den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden frühzeitig Ideen für die Aufstellung des neuen Flächennutzungsplanes einzubringen. Geleitet wurde die Veranstaltung vom Büro „Team 4“, das den Workshop neutral und objektiv begleiten sollte.

Trotz des eher unglücklichen Termins (Anfang der Osterferien!) versammelten sich um 09:30 Uhr in der Rangauhalle ca. 80 interessierte Bürger – es sollen sogar noch weitere Interessenten abgewiesen worden sein, mit der Begründung „Die Veranstaltung sei voll belegt“. Schade, warum nicht einen zweiten Termin machen, wenn das Interesse der Bürger derart groß ist?

Zum ersten Teil der Veranstaltung: Hier wurde in den vorher bekanntgegebenen Gruppen (Verkehr, Wohnen, Bildung/Kultur/Freizeit sowie Naturschutz) die einzelnen Bereiche, die sich auf den Flächennutzungsplan auswirken, von den Bürgern beleuchtet und hinterfragt. Diese erste Hälfte war sehr konstruktiv. Die Gruppen erarbeiteten sehr gute Ergebnisse, die kompetent von den jeweiligen Sprechern vorgetragen wurden. Gab es in den Gruppen unterschiedliche Meinungen – was logischerweise bei einigen Themen vorkam – so wurden die abweichenden Meinungen in der Zusammenfassung klar dargelegt. Der Tenor bei allen Gruppen war jedoch: Kein Wachstum, keine neuen Flächen versiegeln! Und wenn überhaupt – ganz moderat! Bedauerlich war, dass der Zusammenfassung der Ergebnisse keine Gemeinderäte beiwohnen durften, um die Resultate der Bürger ungefiltert übermittelt zu bekommen.

Zum zweiten Teil der Veranstaltung: In diesem Teil wurden die Bürger in Gruppen ihrer jeweiligen Ortsteile eingeteilt. Die Bürger sollten einzelne Flächen nach einem vorgegebenen Raster beurteilen. Mal abgesehen davon, dass das Raster diskussionswürdig war, war es irgendwie irritierend, Flächen zum Bebauen zu beurteilen, wenn das Ergebnis vom Vormittag war, keine weiteren Flächen zu versiegeln. Zudem konnte man beobachten, dass Team 4 in diesem Teil nicht mehr nur moderiert hat, sondern aktiv versucht hat, die Meinungsbildung in die gewünschte Richtung zu lenken. Man konnte den Eindruck gewinnen, hier sollten zukünftige Bebauungen von den Bürgern legitimiert werden. Das Vorgehen von Team 4 war aus Sicht der Grünen eigentlich nicht im Sinne des Workshops. Trotzdem wurden fast alle Flächen von den Bürgern als nicht-geeignet für eine Bebauung angesehen. [M1] 

Zur Moderation von Team 4: Ein paar Worte zu der Moderation von Team 4. Teilweise wirkten die Mitarbeiter überfordert mit der Organisation. So war z.B. im 2. Teil nur eine Gruppe für der Ortsteil Wendelstein vorgesehen. Es war schon vorher absehbar, dass diese Gruppe zu groß werden würde und erst der Eigeninitiative der Bürger war es zu verdanken, dass zwei Gruppen entstanden. Desweiteren wurde von Beginn an dem Wachstum das Wort geredet (gemeint war Wachstum an Bauflächen und der Zahl der Einwohner). Auch wenn das auf Nachfrage immer wieder verneint wurde, wurde es wenig später mit anderen Worten nochmals so dargestellt. Eine objektive Moderation stellen wir uns anders vor.

Fazit 1: Grundsätzlich war es eine gute Veranstaltung und wir Grünen würden uns so eine Teilhabe der Bürger durchaus öfter wünschen. Der erste Teil war dann auch sehr konstruktiv und man muss allen anwesenden Bürgern Respekt zollen, dass sie einen ganzen Samstag dem Wohl ihrer Gemeinde geopfert haben.

Fazit 2: Aus Sicht der Grünen gibt es eigentlich für Wendelstein nur den Weg, keine weiteren Flächen zu versiegeln. Dass nur Wachstum angeblich die Gemeinde und deren Infrastruktur rettet, halten wir für Augenwischerei. Selbst die von Team 4 vorgelegten Zahlen zeigen bereits einen Bevölkerungszuwachs in den letzten beiden Jahren. Nicht berücksichtigt sind dabei die zu erwartenden Zuwächse durch die Bebauung des Lisenfeld-, Hörnlein- und Wickleingeländes…

Für den Erhalt der Schulen und der weiteren Infrastruktur ist dieses Wachstum mehr als ausreichend. Schulschließungen mangels ausreichender Schülerzahlen sind – zu Recht – kein Thema mehr.

Weiteres Bevölkerungswachstum wird sich durch den Generationenwechsel vollziehen – junge Familien statt einzelner Senioren in den Reihenhäusern.

Sollte die Gemeinde tatsächlich neue Bebauungsgebiete ausweisen, führt dies unweigerlich zunächst zum Verkehrskollaps, der sich zu den Stoßzeiten bereits jetzt ankündigt.

Zum anderen gilt es Wendelstein in seiner dörflichen Struktur zu erhalten, statt weiter seelenlose Ghettos zum Wohle einzelner Investoren zu errichten.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN schlagen deshalb ein anderes Wachstum vor: Ein Wachstum an Lebensqualität mit mehr Wald- und Naturschutzflächen, bei gleichzeitigem Erhalt von landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Verschönerung des Ortsbildes mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer sowie verbessertem öffentlichen Nahverkehr. Mehr erneuerbare Energien und Förderung lokaler Kreisläufe statt mehr Verkehr und Versieglung unserer letzten Freiflächen.

Ein Wachstum dieser Art würden wir unterstützen!

Von: Boris Czerwenka (1. Vorsitzender OV Wendelstein - BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN), Dienstag, 16. Mai 2017 - Aktualisiert am Montag, 21. Januar 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Bündnis 90 / Die Grünen - Ortsverband Wendelstein« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/gruene-wendelstein

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