Projekt in Kornburg als Vorbild für Roth

Roth - Im neuen Wohngebiet Westring-West in Roth soll ein Nahwärmenetz entstehen. Stadtratsmitglied Joachim Holz (Grüne) sah die Wohnbebauung am Rieter-Bogen in Kornburg als gutes Beispiel dafür an. „Ein kaltes Nahwärmenetz, wie es dort derzeit von der Nürnberger WBG eingerichtet wird, bietet viele Vorteile“, sagte der promovierte Physiker.

Einstimmig hat der Rother Stadtrat nun einen Schlusspunkt hinter ein langwieriges Verfahren gesetzt. Ohne Gegenstimme ist der Bebauungsplan für das neue Wohngebiet Westring-West beschlossen worden. Damit besteht auf der Fläche zwischen Abenberger Straße, Westring, Weinbergweg und Kreiskrankenhaus jetzt nicht nur Baurecht für mehrgeschossigen Wohnungsbau und Eigenheime, sondern auch die öffentliche Erschließung ist nun rechtlich in trockenen Tüchern. 

Der Bau von Infrastruktur, Straßen mit Leitungen und Kanälen sowie Versorgungseinrichtungen wird also in absehbarer Zeit beginnen. „Bald werden die ersten Bagger anrücken und den Oberboden abtragen, und Bäume gefällt“, kündigte Stadtbaumeister Wolfgang Baier an. Das eigentliche Bebauungsplanverfahren begann mit dem Aufstellungsbeschluss am 30. Juli 2024. Der Auftakt des Gesamtverfahrens war allerdings bereits im Dezember 2019. Damals hatte der Stadtrat den Beschluss über die Erstellung eines Rahmenplans gefasst. Er sollte als Vorstufe dienen.

Zum Plan und seinen Festlegungen in Hinblick auf Wohnbebauung, geförderten Wohnungsbau sowie Nahversorgung, Freizeitflächen und Verkehrserschließung gab es im Plenum keine Diskussion mehr. Mit Blick auf das geplante Nahwärmenetz mit eigener Heizzentrale unmittelbar am Westring wies Stadtratsmitglied Joachim Holz (Grüne) aus seiner Sicht auf die Vorteile eines „kalten Nahwärmenetzes“ hin. Seiner Meinung nach sei es leichter und vielseitiger mit regenerativer Energie zu betreiben und weise kaum Wärmeverluste auf.

Laut Holz werden die kalten Nahwärmenetze mit deutlich geringeren Temperaturen nahe der Umgebungswärme betrieben, meist zwischen zehn und 25 Grad. Dezentrale Wärmepumpen in den einzelnen Gebäuden heben sie auf Heiz- und Warmwassertemperatur an. Kalte Netze können von einer Vielzahl regenerativer Wärmequellen gespeist werden. Beispielsweise mit Geothermie, Solarthermie, industrieller Niedertemperatur‑Abwärme und der Nutzung von Abwasserwärme. Im Sommer könnte ein solches Netz auch zur Kühlung eingesetzt werden. Die jährliche Verlustquote liege bei drei Prozent oder weniger, rechnete Holz vor. Das „Rieter‑Bogen‑Projekt“ im Nürnberger Stadtteil Kornburg sei ein gutes Beispiel für kalte Nahwärme. Es werde gegenwärtig von der WBG Nürnberg gebaut.

In einem klassischen, warmen, Nahwärmenetz, so Holz weiter, zirkuliere das Übertragungsmedium Wasser mit einer Temperatur von 70 Grad, teilweise auch deutlich mehr. Um die hohe Temperatur zu erzeugen, würden häufig fossile Brennstoffe oder Biomasse, vor allem Holz-Pellets, verwendet. Es entstehen Leitungsverluste von zehn Prozent oder mehr. „Je höher die Temperatur, desto höher die Verluste.“ Deshalb seien stark gedämmte Leitungsrohre erforderlich, welche die Netzkosten erhöhten.

Stadtwerke-Chef Gerhard Brunner verwies auf eine Studie, die ihm vorliege. Sie habe die drei verschiedenen technischen Möglichkeiten für den Betrieb eines kalten Nahwärmenetzes untersucht. Die Ergebnisse werde er im nächsten Werkausschuss vorstellen. Allerdings nichtöffentlich, weil das Gutachten nicht von den Stadtwerken in Auftrag gegeben worden sei. „Ich kann also erst nach dem Werkausschuss öffentlich Auskunft geben“, erklärte Brunner.

Von: Robert Schmitt (meier Redaktion), Donnerstag, 26. Februar 2026 - Aktualisiert am Montag, 02. März 2026
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