Pumpspeicherwerk in Happurg wird revitalisiert
Region - Der Strom aus den Happurger Stauseen steht zur Verfügung, wenn die Sonne nicht schient und kein Wind weht. Auch der Landkreis Roth profitiert.
Der kammersteiner Landtagsabgeordnete Volker Bauer hat es auf den Punkt gebracht. „Das Projekt hier verhindert unter Umständen, dass an Weihnachten in Roth das Licht ausgeht“, so der CSU-Politiker im Gespräch mit den Verantwortlichen für die Grundsanierung des Pumpspeichersystems in Happurg. Gemeinsam mit seinem Bundestagskollegen Ralph Edelhäußer hat Volker Bauer die Baustelle besichtigt und sich mit den Ingenieuren ausgetauscht. Als Elektromeister kennt sich der CSU-Parlamentarier schließlich bestens aus mit Energielücken und Stromflüssen.
Das Pumpspeichersystem in Happurg bei Hersbruck soll ab 2028 wieder in Betrieb gehen und sicherstellen, dass Strom in ganz Mittelfranken auch dann fließt, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Ein wichtiger Baustein der Energiewende also. Insofern ist das 250-Millionen-Projekt der Firma Uniper-Kraftwerke im Landkreis Nürnberger Land auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region weiter südlich von Bedeutung. „Wenn im Landkreis Roth gerade Strombedarf herrscht, würde der Strom aus Happurg auch dorthin fließen“, hieß es.
Die Gesamtkapazität der Happurger Stromerzeugung liegt bei 840 Megawatt-Stunden. Das würde rechnerisch ausreichen, um Nürnberg rund acht Stunden lang mit Strom zu versorgen. Für den Landkreis Roth würde das bedeuten, dass seine fast 62 000 Haushalte bei konservativer Schätzung etwa 23 Stunden am Tropf des Happurger Pumpspeichersystems hängen könnten. Voraussetzung dafür ist eine Instandsetzung des Oberbeckens auf dem Deckersberg. 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser auf einer Fläche so groß wie 28 Fußballfelder. Von dort aus wird Wasser über eine Fallhöhe von 209 Metern durch eine Turbine in den Happurger Stausee geleitet. Dessen Stand steigt dann um bis zu fünf Meter.
Der Stausee in Happurg war bereits bis 2011 zentraler Bestandteil eines Pumpspeichersystems. Er diente schon immer als Unterbecken. Die Anlage war von 1958 an in Betrieb und galt als größtes Pumpspeicherkraftwerk in Bayern. Es speicherte schon in diesem Zeitraum bis zu 850 Megawatt-Stunden Strom, indem überschüssiges Wasser aus dem See in das Oberbecken gepumpt und bei Bedarf turbiniert wurde. Aufgrund des Erfordernisses, im Zuge der Energiewende schnell Strom bereitzustellen, hat sich Uniper 2024 entschlossen, das gesamte System nach gründlicher Überholung der Technik sowie aufwändiger Abdichtung des Oberbeckens und Stabilisierung für das enorme Wassergewicht wieder in Betrieb zu nehmen.
Im Januar 2011 hatten Messungen erhöhte Werte an Überwachungsbrunnen gezeigt. Das Oberbecken wies Einbrüche von bis zu 12,5 Metern Länge und 1,5 Metern Tiefe auf. Etwa eine Million Kubikmeter Wasser sind verloren gegangen. Uniper stellte den Betrieb daraufhin ein und entleerte das Oberbecken vorsorglich, um Schäden zu prüfen. Eine Sanierung war damals unwirtschaftlich, da andere Energiequellen günstiger waren. Der Wasserstand im Happurger See wurde seither konstant gehalten, was ihn zu einem beliebten Erholungsgebiet für Angler, Surfer und Wanderer gemacht hat.
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