Retten wir unsere Wälder!

Bundesweit - Am Dienstag, den 15. Juni 2021, startete die Deutsche Umweltstiftung eine Crowdfundingkampagne zum Aufbau einer eigenen Waldagentur. Sie soll partizipativ agieren und nur einem Klienten dienen: unserem Wald.

  • Prof. Pierre L. Ibisch

    Prof. Pierre L. Ibisch
    © Deutsche Umweltstiftung

    Waldkrise

Das Ökosystem Wald wird zunehmend vom menschengemachten Klimawandel und der aktuellen anthropogenen Übernutzung schwer beschädigt. Die Verschärfung der Witterungsextreme, der Schädlingsbefall und die aktuelle forstwirtschaftliche Nutzung führen dazu, dass immer mehr Waldflächen erkranken und absterben.

Vor allem die Fichtenforste sterben teilweise flächig ab. Ganze Landschaften werden inzwischen von Kahlflächen geprägt, die Jahrzehnte lang waldfrei bleiben und die Waldkrise noch verschärfen werden. Das hat nicht nur fatale Auswirkungen auf unser Klima, sondern auch auf die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten und unsere Nutzung des Waldes als Erholungsort.

Dabei ist gerade der Wald und seine vielfältigen Eigenschaften unser bestes Mittel gegen die lokalen Effekte des menschengemachten Klimawandels. Er sorgt für einen Temperaturausgleich zwischen der Stadt und dem Wald. Qualitativ bessere Luft gelangt damit zu uns Menschen. Der Wald schützt auch den Boden. Die Bodenabtragung durch Wasser und Wind wird durch die starke Durchwurzelung des Waldbodens verhindert. Außerdem sorgt er für Wasserschutz und Grundwasserbildung. Der Waldboden ist ein großer Wasserspeicher, der, wenn seine Reserven gefüllt sind, das Wasser gefiltert zum Grundwasser durchsickern lässt. Diese und weitere wichtige Funktionen des Waldes brauchen wir jetzt mehr denn je. Sie müssen unbedingt erhalten bleiben!

Doch die Politik und Forstwirtschaft reagieren auf die aktuelle Waldkrise mit Kahlschlag und Totholzentfernung. Dies geschieht selbst in Naturschutzgebieten. Das belastet das Ökosystem Wald zusätzlich. Waldbesitzende werden fast ausschließlich für das Produkt Holz entlohnt. Jahrelang wurden Fichten in Monokulturen angebaut, da dies wirtschaftlich am rentabelsten ist. Das führt heute zu Artenarmut und ökologisch degradierten Waldflächen.

„Vor wenigen Wochen berief Bundesministerin Klöckner eilig einen zweiten Nationalen Waldgipfel ein - ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft oder von kritischen Stimmen. Noch nicht einmal das Umweltministerium hatte etwas zu melden. Diese Veranstaltung hätte es nicht besser zeigen können: Die dramatischen Auswirkungen der Waldkrise und die Sorgen von Menschen und Experten werden von der aktuellen Bundesregierung nicht ernst genommen. Wir benötigen dringend neue partizipative Strukturen, die sich für unseren Wald einsetzen - und nicht nur für Waldbesitzende und die Holzwirtschaft“, so Prof. Pierre Ibisch, stellv. Vorsitzende der Deutschen Umweltstiftung.

Zur Bekämpfung dieser Missstände möchte die Waldagentur der Deutschen Umweltstiftung über die Waldkrise aufklären und informieren. Unter Einbeziehung der Bürger*innen wird systematisch der Zustand des Waldes dokumentiert und so die Politik zum Handeln gezwungen. Sie fordert eine Neuausrichtung der Nationalen Waldstrategie hin zu einer minimal invasiven Waldstrategie. Also eine Strategie, bei der das Ökosystem Wald nicht durch Neupflanzungen der falschen Pflanzen und Totholzentfernung verändert wird, sondern sich zu einem großen Teil selbst regenerieren kann. Um das zu erreichen, braucht es ein Umdenken in Wirtschaft und Politik.

Der Aufbau der Agentur soll über die nachhaltige Crowdfunding-Plattform EcoCrowd finanziell abgesichert werden. Die Kampagne läuft bis zum 31. Juli 2021.

Weitere Informationen finden Sie auf www.ecocrowd.de/waldkrise 

Von: Michael Golze, Dienstag, 13. Juli 2021 - Aktualisiert am Mittwoch, 14. Juli 2021

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