Rother Planungsausschuss lehnt mehr Geschosse ab
Roth - Stadtratsmitglied Martin Winkler (Die Partei) scheitert mit Vorstoß für mehr Wohnungen im Neubaugebiet Westring-West. Das Argument einer besseren Umlegbarkeit der Erschließungskosten überzeugt die Ausschussmitglieder nicht. Auch Einfamilienhäuser soll es geben. "Sie sind marktgerecht", sagt Stadtbaumeister Wolfgang Baier.
Bei der abschließenden Vorberatung des Bebauungsplans Westring-West im Planungsausschuss ist Stadtratsmitglied Martin Winkler (Die Partei) damit gescheitert, in dem neuen Baugebiet zwischen Weinbergweg, Abenberger Straße und Westring planerisch mehr Wohnraum zu ermöglichen. Winkler wollte durch eine umfangreiche Einwendung seiner Partei während der öffentlichen Auslegung erreichen, dass in verschiedenen Wohnarealen die Häuser im mehrgeschossigen Wohnungsbau verpflichtend von drei auf bis zu fünf Stockwerke erhöht werden. In einem Gebiet sollte die Fünfgeschossigkeit vorgeschrieben werden. Der Ausschuss hat diese Anregungen gegen die Stimme Winklers abgelehnt.
Martin Winkler begründete den Vorstoß seiner Partei in erster Linie mit einer besseren Umlegbarkeit der Erschließungskosten. Bisher sind dort 435 Wohneinheiten geplant, die auch über Doppel- und Reihenhausbebauung erreicht werden. 30 Prozent sollen als geförderter Wohnraum entstehen. Um Straßen, Wege, Leitungen, Kanäle, die Schwammstadt und das Nahwärmenetz verwirklichen zu können, muss die Stadt ersten Schätzungen zufolge nach und nach bis zu 15 Millionen Euro ausgeben. Das wird auf die Grundstücke umgelegt und verteuert daher auch die Mieten. „Bei unserem Vorschlag können die Erschließungskosten auf mehr Wohnungen verteilt werden, weil zusätzlicher Wohnraum gewonnen wird“, begründete Martin Winkler seine Initiative. Mehr Wohnraum sei ohnehin erforderlich, so Winkler.
Wolfgang Baier sprach sich gegen Winklers Pläne aus. „Diese Vorschläge sind bereits zur Sprache gekommen“, erklärte der Stadtbaumeister. Man habe sich im Rahmen der Entwurfserstellung dann aber dagegen entschieden, weil gestalterische Aspekte wie die Lage am Ortsrand oder die Anpassung an die Höhenentwicklung der umgebenden Bebauung schwerer wogen. Weiter wies Baier darauf hin, dass das Verhältnis zwischen Geschosswohnungsbau und Doppel- oder Reihenhausbebauung schon jetzt über der Verteilungsquote liege, die die Wohnraumanalyse vorgeschlagen habe.
Zudem sei zu beachten, fügte Baier hinzu, dass innerhalb des geplanten Baugebiets „Rother Neuland“ auf dem ehemaligen Leoni-Gelände „eine weitere große Zahl an Geschosswohnungsbauten errichtet wird“. Am Westring hingegen würden sich vier- bis fünfgeschossige Baukörper störend auf das örtliche Gesamtbild auswirken. Winklers Hinweis auf das große Wohnhaus in Rothaurach überzeugte die Ausschussmitglieder nicht.
Hinzu kommt nach Darstellung Baiers, dass die Werte für die bauliche Nutzung im Verhältnis zur jeweiligen Grundstücksfläche schon heute so ausgelegt seien, dass im Wohnareal Vier vier- oder fünfgeschossig gebaut werden könnte. „Dies erlaubt dem Bauherrn eine gewisse Flexibilität“, nannte Baier einen Vorteil der bisherigen Regelung aus seiner Sicht. Außerdem würden zusätzliche Geschosse auch zusätzliche Stellplätze erfordern, die auf dem Grundstück untergebracht werden müssten.
Martin Winkler sah an einer anderen Stelle echte „Flächenvergeudung“, wie er sich ausdrückte. So sei in einem durch zwei Straßen begrenzten Areal eine Bebauung mit Doppelhäusern und Häusergruppen festgelegt. „Diese Fläche wäre mit Geschosswohnungsbau wesentlich sinnvoller nutzbar“, lautete Winklers Meinung. Das optische Argument sei hier nicht tragfähig, weil sie nicht berücksichtige, dass Krankenhaus und Parkfläche eine Abstufung nicht groß wahrnehmbar erscheinen ließen.
Für Wolfgang Baier ist der Markt für Geschosswohnungsbau mit der Planung jedoch auch nach den Darstellungen der Wohnraumanalyse ausgeschöpft. „Weitere Flächen dafür zulasten von Flächen für Einfamilienhäuser heranzuziehen, wird als nicht marktgerecht angesehen“, so der Stadtbaumeister. „Denn Einfamilienhäuser stellen immer noch einen Kernmarkt der Immobilienwirtschaft dar, insbesondere außerhalb großer Städte“, begründete Baier seine Haltung. „Einfamilienhäuser werden immer noch sehr häufig angefragt.“ Die Stadt Roth stelle hier keine Ausnahme dar. Die Ausschussmehrheit sah es ebenso.
