Schuhe im 20. Jahrhundert – Entwicklung eines Modetrends

An kaum einem Kleidungsstück haftet so viel Bedeutung und Prestige wie an Schuhen. Der Schuh gehört zu den ältesten Erfindungen der Menschheit und hat im Laufe seiner Geschichte die wildesten Formen, Farben und Trends angenommen. Aus heutiger Sicht könnte man meinen: Von seiner ursprünglichen Aufgabe, den Fuß nach außen zu schützen, hat der Schuh sich zu einem Objekt der Begierde und des Modebewusstseins entwickelt. Ob die Optik oder der Tragekomfort im Fokus steht, kann dabei schon lange nicht mehr zweifelsfrei bewiesen werden. Eine kleine Spurensuche, die ins 20. Jahrhundert führt.

  • Schuhe verschiedener Arten und Stile

    Schuhe verschiedener Arten und Stile
    © sebra / shutterstock.com

Der Schuh in grauer Vorzeit

Das älteste heute bekannte Schuhwerk bestand aus Pflanzen und ist ungefähr 9000 Tausend Jahre alt. Zugegeben kann man hier noch nicht von modischer Extravaganz sprechen, sondern vielmehr von einer Maßnahme, welche die Füße schützen sollte. Doch über die Jahrhunderte kamen immer robustere Materialien wie Papyrus oder Leder zum Einsatz, zu Beginn natürlich hauptsächlich als Basis für Sandalen – bis heute die verbreitetste Schuh-Art weltweit. Nicht nur die alten Römer wussten davon!

Während man in der Antike noch zwischen rechtem und linkem Fuß unterschied, kam es im fortlaufenden Mittelalter zum Rückschritt und es wurden wieder Einheitsschuhe für beide Füße hergestellt – zunehmend auch geschlossen und im Neuzustand logischerweise sehr unbequem. Dabei wurden neben Bast, Leder oder Holz erstmals auch feinere Materialien wie Samt oder Seide verwendet. Vom Barock bis ins 19. Jahrhundert fertigten Handwerker dann immer prachtvollere Schuhe und etablierten die ersten Modeexemplare.

 

Das 20. Jahrhundert setzt die Trends

Das 20. Jahrhundert steht für einen revolutionären Stilumbruch innerhalb der Mode. Man sprach im Verlauf dieses geschichtsträchtigen Jahrhunderts erstmals auch von Schuhtrends. Der Grund ist offensichtlich: Vor allem Frauen versteckten ihr Schuhe nun nicht mehr unter langen Röcken, sondern präsentierten sie offen und bewusst in der Öffentlichkeit. Funktionalität geriet mehr in den Hintergrund. Das Schuhwerk verwandelte sich spätestens mit den 20er Jahren zum modischen Accessoire. Im weiteren Verlauf wurden die Absätze höher und die Schuhformen spitzer – die Pumps waren geboren. In den 40er Jahren suggerierte die amerikanische Filmindustrie, dass edle Abendgarderobe nur mit luxuriösen Schuhen wirken könnte, womit die Modelle mit den neuen Keilabsätzen immer extravaganter wurden. Kunststoffe setzten sich bei der Verarbeitung durch.

Als die konservative Welt in den 50ern bereits vom Pfennigabsatz sehr empört war, legte die popkulturelle Modewelt ein wenig später noch eine Schippe drauf, denn mit den 60er und 70er Jahren musste die damenhafte Mode quietschbunten Schuhen mit hohen Plateaus weichen, unter anderem ein Ausdruck des selbstbestimmten Widerstands der Hippie-Bewegung. Der Minirock zog nun zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Schuhe. Mit dem Einbruch der 80er waren dann auch erstmals Turnschuhe oder Sneaker en vogue. Hier galt: Je klobiger und größer, desto besser. Gleichzeitig wurden aber auch die Absätze der Pumps und Spangenschuhe immer höher.

Der Übergang zum 21. Jahrhundert hat schlussendlich bewiesen, dass alles erlaubt ist, was gefällt. Trends des 20. Jahrhunderts kommen zurück, werden weiterentwickelt oder in einen anderen modischen Kontext gesetzt. Der Schuh hat sich gänzlich von seiner ursprünglichen Rolle entfernt, ‚modisch‘ und ‚komfortabel‘ schließen sich nicht mehr aus, Schuhe sind Fashion. Fashion ist Style. Das beweisen die aktuellen Modetrends.

Von: Marie Schneider (Freelanceredakteur ), Mittwoch, 17. Juli 2019 - Aktualisiert am Donnerstag, 01. August 2019
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