Seit 2003 fließt der Mittelbach wieder

Schwabach - Im Herbst des Jahres 2003 hat eine etwa 30-köpfige Gruppe in Schwabach den Mittelbach wiederbelebt. Seither schafft das Fließgewässer zwischen Schwabach und Nadlersbach einen wertvollen Naturraum im Tal von Unterreichenbach in die Schwabacher Innenstadt. Das meier-Magazin wirft einen historischen Blick auf die Erfolgsgeschichte des Bachs.

  • Seltenen Pflanzen- und Tierarten bietet der Mittelbach einen nachhaltigen Lebensraum.

    Seltenen Pflanzen- und Tierarten bietet der Mittelbach einen nachhaltigen Lebensraum.
    © Robert Schmitt

  • An der Fußgängerbrücke von der Badstraße ins Schwabachtal zeigt sich der Mittelbach besonders kraftvoll.

    An der Fußgängerbrücke von der Badstraße ins Schwabachtal zeigt sich der Mittelbach besonders kraftvoll.
    © Robert Schmitt

  • Der Nadlersbach hat einen Überlauf in den Mittelbach, der nahe an der Innenstadt liegt, um Hochwasser herauszunehmen.

    Der Nadlersbach hat einen Überlauf in den Mittelbach, der nahe an der Innenstadt liegt, um Hochwasser herauszunehmen.
    © Robert Schmitt

Eigentlich hätte man bereits vor drei Jahren daran erinnern müssen. Schließlich war es am 28. September 2003, als eine Gruppe Freiwilliger auf Anregung des damaligen SPD-Stadtratsmitglieds Gerhard Brunner in einer eintägigen Aktion den Mittelbach in Schwabach wiederbelebt hat. Am Ende des Tages konnten beteiligte Kinder schon selbst gebastelte Schiffchen auf dem neuen Bachlauf fahren lassen. Ziel der Aktion war die Förderung der Artenvielfalt, der Hochwasserschutz und die Verbesserung der Naherholung.

Heute wundert sich niemand mehr über das Fließgewässer zwischen Nadlersbach und Schwabach gut 1,7 Kilometer entlang der Badstraße. Es ist seit 22 Jahren eine gewohnte Erscheinung. Das Ökosystem dort hat sich prächtig entwickelt. Schließlich hat der promovierte Diplom-Biologe 30 Bürgerinnen und Bürger aus Bund Naturschutz und Landschaftspflegeverband motiviert, den künstlichen Bachlauf nach 30 Jahren Trockenheit in einen funktionierenden Bach zu verwandeln. Die Gruppe hat ihn kostengünstig ohne Wehr und Staustufen wiederhergestellt. Neben Gerhard Brunner waren sein Stadtratskollege Martin Sauer und Andreas Barthel vom Landschaftspflegeverband Schwabach die treibenden Personen. Brunners Ansatz, Bürgerbeteiligung mit wissenschaftlicher Expertise zu kombinieren, machte das Projekt zu einem Vorbild für kommunalen Naturschutz. Heute ist Gerhard Brunner als Chef der Rother Stadtwerke an vorderster Stelle verantwortlich dafür, in der Kreisstadt die Energiewende voranzutreiben. Im Schwabacher Stadtrat ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Das Ökologie-Trio hatte entschieden, in Unterreichenbach nahe der Volkachmündung in die Schwabach eine Ausleitung rechts aus dem Nadlersbach zu schaffen. Dort wurde eine Sohlrampe aus Wasserbausteinen eingebaut. Sie stellt sicher, das Gefälle zu überwinden, ohne die ökologische Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserorganismen zu beeinträchtigen. Der Nadlersbach selbst entsteht zuvor durch einen linken Abzweig von der Schwabach bei Gustenfelden. Die parallelen Arme – Nadlersbach links, Mittelbach in der Mitte und die Haupt-Schwabach rechts – fließen durch Schwabach, bevor sie im westlichen Stadtzentrum wieder zusammenfließen. Diese Struktur dient der lokalen Wasserführung im oberen Schwabachtal. Der Nadlersbach hat einen Überlauf in den Mittelbach, der nahe an der Innenstadt liegt, um Hochwasser herauszunehmen. Der Mittelbach wiederum besitzt einen Überlauf in die Schwabach.

Bis heute hat sich der Mittelbach zu einer echten ökologischen Nische mit großer Wirkung für viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt. „Er ist eine Erfolgsgeschichte und bietet einen Lebensraum, den es sonst nicht gäbe“, sagt Andreas Barthel. „Erdkröte, Wasser- und Grasfrosch überwintern dort regelmäßig, Libellen haben sich ebenfalls angesiedelt“, schildert Barthel die Flora am Mittelbach. Der Bewuchs an seinen Säumen entwickle sich auf den stark sonnenbeschienenen Flächen besonders gut. Schwertlilie und Blutweiderich sind am Bachsaum wichtig. Die Schwertlilie als Indikator für hochwertige Feuchtgebiete und der Blutweiderich als Biodiversitätsförderer. Sie bieten Nahrung für Bestäuber wie Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Die Schwertlilie gilt als bedrohte Art. 

Um die Konstellation zu verwirklichen, mussten auf einer Wiese zwischen dem östlichen der beiden Unterreichenbacher Weiher und der Volkachstraße etwa 100 Meter neues Bachbett gegraben werden. Dank dieser Überleitung floss das Wasser in den alten Bachlauf bis zum Forsters-Weiher. Pflanzen der Bachaue sind aus umliegenden Gräben entnommen und am neuen Bachufer eingesetzt worden. „Bereits nach einem Jahr hatten die Feuchtpflanzen das gesamte Bachufer erobert“, erinnert sich Gerhard Brunner. 2006 ist der neue Mittelbach in einem zweiten Schritt zur Schwabach in die Altstadt geleitet worden. „Heute fließen je nach Wasserstand zwischen fünf und 20 Liter den Bach hinunter“, weiß der Biologe.

Aufgrund des ehrenamtlichen Einsatzes der 30 Schwabacherinnen und Schwabacher konnte die Bachgestaltung in Zeiten knapper öffentlicher Kassen sehr gut realisiert werden. Zahlreiche Stadtratsmitglieder haben selbst zur Schaufel gegriffen und am neuen Bach mitgearbeitet: SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Sittauer und seine Genossinnen Ele Schöffthaler und Gerda Braun sowie Marianne Lachmann (CSU), Karin Holluba-Rau (Grüne) und Ex-Stadtratsmitglied Detlef Stadler seien den gesamten Tag über vor Ort gewesen, erzählt Gerhard Brunner. Heinz Grunwald, damaliger Vizepräsident der Bezirksregierung in Ansbach, habe ebenfalls aktiv mitgearbeitet. Die Firma Wendel war mit dem Durchlass unter der Volkachstraße beauftragt worden. Die Unterreichenbacher Firma Korn stellte kostenlos einen Kleinbagger zur Verfügung. Landwirt Stürmer aus Obermainbach beseitigte den Erdaushub.

Der Betrieb des Mittelbachs hat sich eingespielt. Gab es anfangs noch Schwierigkeiten mit Wasserumleitungen und Aufstauungen, fließt seit 23 Jahren dauerhaft Wasser. Mit der Sanierung der Wöhrwiese 2006 ist auch der zweite Mittelbach-Abschnitt vom Forsters-Weiher über die Wöhrwiese bis zur Schwabach geflutet worden. Somit konnte der Fischereiverein Schwabach aktiv werden. Er setzte mehrmals bedrohte Kleinfischarten aus, die jetzt in einem 1700 Meter langen Bachlauf zuhause sind. „Der Lebensraum Bach hat sich so gut entwickelt, dass die zahlreichen Feuchtpflanzen den Wasserabfluss stark behinderten und der Graben bereits 2007 erstmals gereinigt werden musste“, so Gerhard Brunner.

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Montag, 24. August 2026 - Aktualisiert am Mittwoch, 26. August 2026
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