Sie retten Nürnbergs Seele – Stein für Stein. Die Altstadtfreunde.
Worzeldorf - Gemeinsam mit 16 Frauen der Frauen-Union Kreisverband Nürnberg-Süd waren wir mit Karl-Heinz Enderle unterwegs auf der Führung "Vom Pellerhaus zum Pilatushaus"– und nach wenigen Minuten war klar: Das wird keine gewöhnliche Stadtführung.
Mit jeder Station wurde spürbar, wie sehr er für Nürnbergs Geschichte und den Erhalt der Altstadt brennt. Mit großer Leidenschaft, beeindruckendem Fachwissen und viel Herzblut erzählte er nicht einfach historische Fakten – er nahm uns mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte. Man konnte förmlich erleben, wie sehr ihn dieses Ehrenamt erfüllt. Sein feiner Humor, seine kleinen Quizfragen und die vielen Anekdoten sorgten dafür, dass Geschichte lebendig wurde und wir immer wieder gemeinsam lachen konnten.
Besonders bewegt hat uns das Schicksal des Pellerhauses. Das berühmte Renaissance-Bürgerhaus wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1945 schwer zerstört. In den 1950er-Jahren entstand der heutige Nachkriegsbau von Fritz und Walter Mayer – bis heute architektonisch umstritten.
Was dann folgte, ist beeindruckendes bürgerschaftliches Engagement: Zehn Jahre lang rekonstruierten die Altstadtfreunde den historischen Pellerhof – Stein für Stein, finanziert durch Spenden und das Engagement unzähliger Menschen. Heute finden dort Konzerte, Open-Air-Kino und Kulturveranstaltungen statt. Ausgerechnet an unserem Besuchstag wurde bereits die Bühne für das Abendprogramm aufgebaut – Geschichte ist hier kein Museum, sondern ein lebendiger Treffpunkt mitten in Nürnberg.
Unterwegs durften wir hinter Baustellenzäune blicken, Gebäude betreten, die sich mitten in der Sanierung befinden, und erleben, wie historische Häuser Stück für Stück wieder miteinander verbunden werden. Vieles davon bleibt Besucherinnen und Besuchern normalerweise verborgen.
Ein weiterer Höhepunkt war der Aufstieg durch das Pilatushaus bis unter das Dach. Der Blick über die Dächer der Nürnberger Altstadt war atemberaubend. Gleichzeitig wurde deutlich, welche gewaltige Aufgabe noch vor den Altstadtfreunden liegt. Allein dieses Projekt erfordert Investitionen von rund acht Millionen Euro – möglich nur mit vielen Förderern und Menschen, die den Verein unterstützen.
Besonders schön fand ich auch, dass unterwegs unterschiedliche Sichtweisen Platz hatten. Mit einer Architektin aus unserer Gruppe entstanden spannende Gespräche über Denkmalpflege, Rekonstruktion und moderne Architektur. Genau dieser offene Dialog macht solche Führungen so wertvoll.
Zum Abschluss durften wir uns im Gästebuch verewigen. Die Begeisterung war so groß, dass zwei Teilnehmerinnen noch vor Ort Mitglied der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. wurden. Auch ich werde den Verein künftig unterstützen.
Als Zeichen unserer Wertschätzung stellt die Frauen-Union Kreisverband Nürnberg-Süd den Altstadtfreunden 200 Euro als Zuwendung für ihre wertvolle Arbeit zur Verfügung.
Vielen Dank, lieber Karl-Heinz Enderle, und vielen Dank an alle Ehrenamtlichen der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. Ohne Menschen wie Sie wäre Nürnberg um viele seiner schönsten Orte ärmer. Ihr Engagement verdient größte Anerkennung – und vor allem viele weitere Unterstützer.
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