Stay away from Gretchen

Schwanstetten - Eine unmögliche Liebe in dunklen Zeiten – Die Geschichte der »Black Babies«

Stay away from Gretchen
Susanne Abel, dtv Verlag

Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk. Nach und nach erzählt Greta aus ihrem Leben - von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und ihren Erfolgen auf dem Schwarzmarkt in Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen. Nicht nur, um endlich ihre Traurigkeit zu verstehen. Es geht auch um sein eigenes Glück. (Verlag)

Stay away from Gretchen war der Slogan, mit dem amerikanische Besatzungssoldaten  vor Beziehungen mit deutschen Frauen warnten. Und genau um so eine Beziehung geht es in dem Roman. Gretchen ist die Mutter des bekannten Fernsehjournalisten Tom, die ihren Sohn immer etwas auf Abstand gehalten hat. 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, macht sich bei ihr immer stärker eine Demenz bemerkbar und plötzlich erzählt sie von ihren eigenen Fluchterfahrungen. Ihr Sohn Tom macht das, was er als Journalist am besten kann und recherchiert endlich seine eigene Familiengeschichte. Beim Lesen wachsen einem die Figuren ans Herz, denn Gretchen hat es geschafft, trotz aller Schicksalsschläge nicht verbittert zu sein. Mit Tom kann man als Leser mitfühlen und mitleiden, denn die aufreibende Situation zwischen Arbeit, Beziehung und Betreuung der älter werdenden Eltern kennen bestimmt viele. Aber hier wird nicht gejammert, trotz aller Tragik zieht sich eine positive Grundstimmung durch den Roman. Absolut lesenswert! (Monika Betz)

Von: Monika Betz, Dienstag, 15. Juni 2021 - Aktualisiert am Donnerstag, 17. Juni 2021
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