Tag der offenen Tür in die Zukunft

Wendelstein - Dass es schon jetzt jede Menge gibt, was man heute, hier und jetzt, für das Hier und Jetzt und für die Umwelt und somit unser aller Zukunft tun kann – das zeigte eindrucksvoll der „Tag der Umwelt“ am 29. September 2019 in Wendelstein.

  • Begrüßung durch Ersten Bürgermeister Werner Langhans

    Begrüßung durch Ersten Bürgermeister Werner Langhans

  • Die Bürgermeister aus der Region probieren das Wendelsteiner Wasser ...

    Die Bürgermeister aus der Region probieren das Wendelsteiner Wasser ...

  • ... und informieren sich am Stand des Staatsforstes über die Folgen des Klimawandels in unseren Wäldern.

    ... und informieren sich am Stand des Staatsforstes über die Folgen des Klimawandels in unseren Wäldern.

  • Erster Bürgermeister Werner Langhans testet das Cargo-eBike mit Drittem Bürgermeister Willibald Milde

    Erster Bürgermeister Werner Langhans testet das Cargo-eBike mit Drittem Bürgermeister Willibald Milde

  • Das Team von B90/Grünen passt nicht komplett ins Cargo-Bike

    Das Team von B90/Grünen passt nicht komplett ins Cargo-Bike

  • Kristin Wunderlich lässt sich die Unkrautbekämpfung mit Heißwasser erläutern

    Kristin Wunderlich lässt sich die Unkrautbekämpfung mit Heißwasser erläutern

  • Michael Schuh (Rad+Tat) präsentiert seine eRoller

    Michael Schuh (Rad+Tat) präsentiert seine eRoller

  • Bürgermeister Werner Langhans und Bürgermeisterkandidatin Carolin Töllner (B90/Grüne) am Stand von Ulrich Bauer (natürlich-baubio-logisch GmbH)

    Bürgermeister Werner Langhans und Bürgermeisterkandidatin Carolin Töllner (B90/Grüne) am Stand von Ulrich Bauer (natürlich-baubio-logisch GmbH)

  • Franz Strubl im Gespräch mit der meier Redakteurin Kristin Wunderlich

    Franz Strubl im Gespräch mit der meier Redakteurin Kristin Wunderlich

  • Das Team vom Avocado Café

    Das Team vom Avocado Café

  • Car-Sharing in Wendelstein

    Car-Sharing in Wendelstein

  • Schreinermeister Martin mit seiner Tochter

    Schreinermeister Martin mit seiner Tochter

  • Bürgermeisterkandidatin Carolin Töllner (B90/Grüne) und -kandidat Maximilian Lindner (SPD)

    Bürgermeisterkandidatin Carolin Töllner (B90/Grüne) und -kandidat Maximilian Lindner (SPD)

Rund 50 Aussteller informierten an diesem etwas anderen Tag der offenen Tür der Marktgemeinde Wendelstein zu Themen rund um Umwelt, Nachhaltigkeit und Energie. Themen, die nicht nur den Markt Wendelstein und den Mitveranstalter, den Verein „Energiebündel Roth-Schwabach“, bewegen, sondern auch die Kommunen im Umkreis. So durfte Bürgermeister Werner Langhans neben den örtlichen Amtsträgern auch Kollegen aus den Nachbargemeinden und dem Landkreis begrüßen.

Dass es „um unser aller Leben und unsere Zukunft“ geht, das betonte Werner Langhans in seiner Eröffnungsrede. Die Themen der Zukunft seien in Wendelstein angekommen, man sei oftmals Vorreiter, und zwar aus gutem Grund, denn wie der große Naturforscher Alexander Humboldt schon Anfang des 19. Jahrhunderts erkannt habe: alles in der Natur hängt zusammen. Dabei machte Langhans auch unmissverständlich klar: Jeder Einzelne muss umdenken. „Handeln statt fordern, denn: Reden ist Silber, Handeln ist Gold“. Damit sich jeder informieren kann, was es heute schon gibt, was man jetzt schon nutzen und umsetzen kann – dafür sei dieser Tag initiiert worden.

Mit gutem Beispiel voran: Projekte der Marktgemeinde

Dass das alles nicht nur leere Worte sind, das beweisen die vielen vorgestellten Projekte der Marktgemeinde selbst. So zeigte etwa der Bauhof sein neues Fahrzeug zur Unkrautbekämpfung mit Heißwasser. Da auf öffentlichem Gelände nicht mehr gespritzt werden darf und das Abbrennen von Unkraut ineffizient und nicht eben CO2-neutral ist, arbeitet der Bauhof nun mit der Heißwassermethode. Dabei wird dem Unkraut mit heißem Wasser zu Leibe gerückt. Macht man dies etwa drei mal im Jahr, wird der unerwünschte Wildwuchs stetig zurückgedrängt. Das gleiche Fahrzeug kann aber auch zum Bewässern eingesetzt werden – so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Apropos Bewässern: auch hier achtet man in Wendelstein besonders bei neuen Bauprojekten auf neueste Standards. So wird bei Projekten der Gemeinde auf eine Trennung zwischen Regenwasser, etwa Dachwasser, und Abwasser geachtet. Das Regenwasser wird entweder in Zisternen gespeichert, sodass zur Bewässerung öffentlicher Anlagen und der Straßenbäume kein Leitungswasser mehr verwendet werden muss. Oder es wird der Versickerung zugeführt. So gelangt es letztendlich zurück in den Wasserkreislauf, ohne die Kläranlagen zu belasten. Auch Privathaushalte werden angehalten, diese Maßnahmen umzusetzen und entsprechend über die Möglichkeiten aufgeklärt.

Auch das Projekt „Wendelstein Fairtrade“ stellte sich den Interessierten vor. Seit wenigen Tagen ist es endgültig geschafft: Wendelstein ist als Fairtrade-Gemeinde zertifiziert. Und zwar ganz offiziell! Hierfür gibt es Richtlinien, was in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl in punkto Fairtrade umgesetzt werden muss. Etwa eine gewisse Anzahl fairer Einzelhändler und fairer Gastronomen, dann muss Öffentlichkeitsarbeit zum Thema geleistet und eine Steuerungsgruppe eingesetzt werden. Die Marktgemeinde selbst bezieht die Arbeitskleidung für die Mitarbeiter vom Bauhof komplett aus fairem Handel. Schulen werden mit fair gehandelten, durch den Markt Wendelstein gebrandeten Fußbällen ausgestattet, um auf das Thema Fairtrade aufmerksam zu machen.

Zu den vielen weiteren vorgestellten Projekten der Gemeinde gehörten auch das Bürgerkraftwerk mit Speicher, die GWW Breitband und die ganz neue Carsharing Station.

Auch regionale Unternehmen setzen Zeichen

Doch nicht nur die Gemeinde lieferte Inspirationen für einen nachhaltigen und umweltschonenden Umgang mit Ressourcen. Auch zahlreiche private Anbieter nutzten die Gelegenheit, sich auf dieser Plattform vorzustellen.

Michael Schuh vom Fahrrad-Meisterbetrieb „Rad und Tat“ präsentierte neben Fahrrädern und Pedelecs auch das Lastenrad Urban Arrow mit bis zu 275 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht, Bosch-Antrieb und einem bis zu 500 Wattstunden starkem Akku. Ganz neu im Progamm zeigte er auch die bis zu 45 Stundenkilometer schnellen Niu- und Saxx-Roller.

Für naturgemäße Nachhaltigkeit war der Wendelsteiner Schreinermeister Martin vor Ort. Im Gegensatz zur Massenware aus aller Welt weiß man bei handwerklich vor Ort gefertigten Möbeln wer diese hergestellt hat und man kann selbst wählen, welche Materialien und Verfahren eingesetzt werden. So bekommt man immer ein individuelles Produkt, das im Zweifelsfall ein Leben lang hält. Seine Tochter Melinda fertigt in Handarbeit hübsche praktische Taschen aus Kurzwaren-Restposten und Stoffresten – Kontakt über www.dernullpunkt.de.

Natürlich Baubiologisch“ war mit einem großen Stand vertreten, an dem der Vorsitzende des Verbandes Baubiologie, Ulrich Bauer, zum Thema Baustoffwahl, Neubau, Sanierung, Umbau und Renovierung unter baubiologischen Aspekten informierte. Der Architekt und Verfechter der Holzbauweise kennt sich nicht nur bestens mit dem Thema aus, sondern „lebt den Holzbau“ – eine Eigenschaft, die seiner Meinung nach der Architekt mitbringen muss, wenn der Kunde ein Haus in Holzbauweise wünscht. Dabei ist Holz nicht alles, es gibt auch jede Menge anderer cleverer Baustoffe, etwa den Dämmstoff aus ausgedienten Kakaosäcken. „Die wurden bisher einfach weg geworfen, jetzt lässt ein großer deutscher Schokoladenfabrikant sie zu Dämmstoffen verarbeiten.“ Und der Brandschutz? „Gras hat einen natürlichen Brandschutz durch die vielen eingelagerten Mineralien“, weiß der Experte.

Die Firma Strubl, in Wendelstein ansässig, informierte zum Thema Verpackungen. „Die Recyclingquoten werden so angezogen, da muss die Verpackungsindustrie mit gehen“, erklärt Geschäftsführer Franz Strubl. Sein Konzept: statt aufwändiger Verpackungen kleine Beutelchen aus Recyclat, die wiederum komplett recycelt werden können. Neben der vollständigen Wiederverwertung setzt er außerdem auf den Grundsatz „Je weniger desto besser“. In diesem Sinne zieht er ein kleines, einfaches Beutelchen einer aufwändigen Pappverpackung vor. Und natürlich: „Wo es geht auf Papierbeutel umstellen.“ So hat ein großer Schraubenhersteller jetzt auf Papiertütchen für den Verkauf kleiner Mengen von Schrauben im Baumarkt umgestellt. Von sogenannten Biotüten hält Strubl übrigens nichts. „Plastik gehört einfach nicht in die Umwelt“, das ist seine feste Überzeugung.

Rundes Konzept ohne Schwachstellen

Dass man umweltfreundlich genießen kann und trotzdem kein Asket sein muss, das bewiesen gastronomischen Anbieter auf der Freifläche – unter anderem die Bio-Vollwert-Bäckerei Wehr, das Avocado Café mit vegetarischen und veganen Snacks, der Bioladen im Wendencenter und das Fairtrade Kaffeemobil. Die Getränkeritter stehen für Getränke und Bierspezialitäten aus de Region, also kurze Wege und Mehrweg. Selbstverständlich gab es beim Umwelttag weder Einwegteller, noch Plastikgäbelchen oder gar „Coffee-to-Go Becher “. Stattdessen sorgte das Spülmobil für die professionelle Reinigung von Geschirr, Tassen, Gläsern und Besteck. 

Ob es eine zweite Auflage des Umwelttages geben wird, darauf wollte sich Norbert Wieser, Pressesprecher der Marktgemeinde Wendelstein, noch nicht fest legen. „Es war ja als etwas anderer Tag der offenen Tür gedacht, und diesen Tag werden wir alle fünf, sechs Jahre wiederholen. In welcher Form, da warten wir noch das Feedback ab, das jetzt auch in den nächsten Tagen noch kommt. Erfahrungsgemäß zieht so eine Veranstaltung immer noch viel Interesse auch im Nachgang nach sich – zum Beispiel auch bei denjenigen, die dieses Mal noch nicht dabei sein wollten.“

 Jetzt sind Sie am Zug!

Anregungen, im Hier und Jetzt anzupacken, dürften sowohl andere Kommunen als auch jeder Einzelne zuhauf bekommen haben. Wer weiß, vielleicht hat es bis zum nächsten Tag der offenen Tür – egal, in welcher Form der dann kommen wird – schon so mancher wie Hermann Lorenz vom Energiebündel geschafft, seine private Energiewende zu vollziehen. „Es braucht Wissen und einen festen Willen – dann schafft man das binnen weniger Jahre“. Lorenz weiß, wovon er spricht – er hat binnen sieben Jahren seien eigenen Haushalt CO2 neutral bekommen. Mit Rat und Tat stehen alle Aussteller sowie die Veranstalter auch nach dem Energietag weiter zur Verfügung. Das Wissen kann man sich also jederzeit holen – wenn der Wille da ist. Oder um es mit den Worten des 1. Bürgermeisters Werner Langhans zu sagen: „Handeln statt fordern“.

Von: Kristin Wunderlich ( Dipl. Biologin), Sonntag, 29. September 2019 - Aktualisiert am Donnerstag, 17. Oktober 2019
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