Therapeuten auf vier Pfoten: Therapiehunde Deutschland - ein Verein stellt sich vor

Region - Die Therapiehunde Deutschland sind mit ihren Teams aus Hunden und Hundeführer(inne)n bundesweit in Alten- und Pflegeheimen, Einrichtungen für körperlich und geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Schulen und Förderschulen, Kindergärten, Kliniken, Justizvollzugsanstalten, Palliativstationen und Hospizen unterwegs.

  • Vereinslogo

    Vereinslogo
    © Therapiehunde Deutschland

  • Ein Therapiehund im Einsatz in einem Seniorenheim

    Ein Therapiehund im Einsatz in einem Seniorenheim
    © Therapiehunde Deutschland

Ihr zehnjähriges Jubiläum hatten sich die Therapiehunde Deutschland anders vorgestellt, doch wegen der Corona-Schutzmaßnahmen fallen seit einem Jahr nicht nur alle Besuche bei Senioren, behinderten Menschen oder in Schulen und Kindergärten flach, sondern auch Feste und Veranstaltungen. Nichtsdestotrotz ist die Erfolgsgeschichte des Vereins eine beeindruckende.

Im Winter 2010 wurde der Verein gegründet und ging schließlich im Sommer 2011 als „Therapiehunde Franken e.V.“ in den fränkischen Gefilden und bald darauf in ganz Bayern an die Arbeit, wie im Vereinslogo noch immer ersichtlich ist. Inzwischen sind die vierpfotigen Therapeuten bundesweit tätig, weshalb der Verein im Juli 2018 in „Therapiehunde Deutschland e.V.“ umbenannt wurde. Über 900 Mitglieder aus allen Bundesländern haben sich den Therapiehunden angeschlossen und absolvieren als ausgebildete Teams mit ihren Hunden jährlich etwa 7000 Besuche in Alten- und Pflegeheimen, Einrichtungen für körperlich und geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Förderschulen, Kindergärten, Kliniken und Justizvollzugsanstalten. Speziell ausgebildete Schulbesuchshunde-Teams bringen Grundschülerinnen und Grundschülern den richtigen Umgang mit Hunden näher und geschulte Lesehunde-Teams helfen Kindern mit Leseschwächen. Das Besuchsangebot wurde in den letzten Jahren um den Bereich Hospiz-Begleitung erweitert. Eigens ausgebildete Mitglieder bereiten mit ihrem Hund Menschen am Ende ihres Lebens im Hospiz oder der Palliativstation noch einmal eine besondere Freude.

Für die Hunde ist jeder Einsatz psychisch und physisch anspruchsvoll und anstrengend. Daher gehen die Hunde maximal in zwei dreißigminütige Einsätze pro Woche, denn Tierschutz steht für den Verein an oberster Stelle. Was die tiergestützte Therapie bei den besuchten Kindern, Jugendlichen  und Erwachsenen bewirkt, ist einfach zu erklären: Die Hunde vermitteln Vertrauen, Wärme und Geborgenheit, sind empathisch und fordern dennoch nichts ein. Sie fokussieren sich auf den Charakter und somit das Wesentliche des Menschen - ob dieser behindert, krank oder alt ist, interessiert den Vierbeiner nicht. Ausschlaggebend dafür, ob sich ein Hund zum Therapeuten eignet, sind ein gutmütiges, freundliches und sozialisiertes Wesen – egal ob es sich dabei um eine kleine „von-und-zu-Rasse“ oder einen großen Wald-und-Wiesenmischling handelt. Therapiehunde sind normale Haus- und Familienhunde, die einen speziellen Situationstest absolviert und bestanden haben. Die Hunde arbeiten nach Feststellung ihrer Eignung als Therapiehunde mit ihren Hundeführer(innen)n als Team an wechselnden Einsatzorten und besuchen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Leiden. Therapiehunde werden gezielt eingesetzt, um die Beschwerden von physisch und psychisch kranken Menschen zu lindern und helfen etwa auf den Gebieten der Psychotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Heilpädagogik und in vielen anderen sozialen und therapeutischen Bereichen. Man schätzt sie in Behinderteneinrichtungen jeder Art, in Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen, Justizvollzugsanstalten sowie in Hospizen und Palliativstationen, denn es wurde mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen und in diversen Studien belegt, dass der Kontakt zu Tieren, insbesondere zu Hunden, beim Menschen positive Auswirkungen auf den körperlichen und seelischen Gesundheitszustand hat. Der Hund geht völlig wertfrei auf den Menschen zu, befriedigt das Zuneigungs- und Zuwendungsbedürfnis, mindert Einsamkeit oder soziale Isolation und steigert das Wohlbefinden. Tierbesuche senken den Blutdruck und die Pulsfrequenz, Patienten sprechen besser auf Medikamente an, wodurch sich beispielsweise die Genesungszeiten nach Schlaganfall und Herzinfarkt deutlich verkürzen können. Die Grob- und Feinmotorik wird durch gezielte Übungen, auch Füttern aus der Hand, trainiert. Das warme weiche Hundefell vermittelt bei Berührung Wärme, Ruhe und Geborgenheit. Therapiehunde wirken kommunikationsfördernd, antidepressiv und motivationssteigernd. Schon Hildegard von Bingen, Kirchenlehrerin und Äbtissin im 13. Jahrhundert, empfahl: „Gib‘ dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“

Die Tiere, die alle regelmäßig geimpft, entwurmt und veterinärmedizinisch behandelt werden, sind aber niemals Mittel zum Zweck. Sie sind keine therapeutischen Allheilmittel und können auch nicht heilen, aber seelisches und körperliches Leiden mindern. Nur in Zusammenarbeit mit ihren Hundeführer/innen können die Hunde ihre Aufgaben optimal und wirksam erfüllen. Falls Sie einen wesensfesten Hund und Interesse an einer interessanten und sozialen Aufgabe haben, lesen Sie im nächsten meier-Magazin, wie Sie Menschen eine Freude machen können.

Kontakt und Informationen:
www.therapiehunde-deutschland.team

Von: Sabine Beck (freie Journalistin - die.schreiberei@web.de), Montag, 01. März 2021 - Aktualisiert am Freitag, 26. März 2021

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