Tierschutz in Roth feiert Doppeljubiläum

Roth - Der Tierschutz in der Kreisstadt kann auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Vor 40 Jahren ist der Tierschutzverein gegründet worden. Exakt 30 Jahre ist es her, dass das Tierheim an der Norisstraße erstmals seine Tore geöffnet hat. Beides hat man nun ausgiebig gefeiert. Den Blick in die Zukunft prägen allerdings auch Sorgen. Ein Neubau wäre notwendig und die Betriebskosten sind nur unzureichend gedeckt.

  • Kontaktaufnahme durch die Glasscheibe. Viele Kids waren begeistert von den süßen Fellnasen.

    Kontaktaufnahme durch die Glasscheibe. Viele Kids waren begeistert von den süßen Fellnasen.
    © Robert Schmitt

  • Robert Derbeck (li.) vom Deutschen Tierschutzbund überbrachte eine Spende von 3000 Euro.

    Robert Derbeck (li.) vom Deutschen Tierschutzbund überbrachte eine Spende von 3000 Euro.
    © Robert Schmitt

  • 7000 Euro Spende der Kammersteiner Firma Biedenbacher.

    7000 Euro Spende der Kammersteiner Firma Biedenbacher.
    © Robert Schmitt

  • Gründungsvorsitzende Edith Graßer warf einen Blick in die Anfangszeit des organisierten Tierschutzes in Roth.

    Gründungsvorsitzende Edith Graßer warf einen Blick in die Anfangszeit des organisierten Tierschutzes in Roth.
    © Robert Schmitt

  • Knapp 40 Hunde leben im Schnitt im Rother Tierheim.

    Knapp 40 Hunde leben im Schnitt im Rother Tierheim.
    © Robert Schmitt

  • Die Hunde konnten auch zeigen, was sie können.

    Die Hunde konnten auch zeigen, was sie können.
    © Robert Schmitt

  • Auch durchs Gitter wurde die Nähe zu den Vierbeinern gesucht.

    Auch durchs Gitter wurde die Nähe zu den Vierbeinern gesucht.
    © Robert Schmitt

Es war ein Fest zum Zurückblicken – und zugleich eines mit einem ziemlich deutlichen Blick nach vorn. Der Tierschutz in Roth hat am Samstag Doppeljubiläum gefeiert. Der Tierschutzverein Roth ist vor 40 Jahren gegründet worden. Sein operatives Kernelement hat ebenfalls Jubiläum gefeiert. Es ist vor 30 Jahren eröffnet worden. Rund 300 Besucher kamen im Laufe des Tages. Doch bei aller Freude über die erfolgreiche Geschichte wurde auch deutlich: Das Tierheim selbst braucht dringend eine neue Perspektive.

„Viele unserer Tiere haben ein trauriges Schicksal und brauchen eine zweite Chance“, sagt Tierheimleiterin Leonie Seitz. Seit März steht sie an der Spitze der Einrichtung. Im Durchschnitt leben dort 80 bis 100 Katzen, knapp 40 Hunde und rund 20 Kleintiere. Für die Tiere wird der Platz zunehmend knapp. Seitz hob außerdem hervor, dass ihr Team an 365 Tagen eines Jahres für notleidende Tiere bereitsteht. „Wir bieten Liebe, Versorgung, Schutz und kümmern uns um die Vermittlung in ein neues Zuhause“, schilderte Seitz die Arbeit im Rother Tierheim.

Das Gebäude ist inzwischen in die Jahre gekommen. Das Dach ist beschädigt, Glasfassaden sind undicht, zusätzliche Quarantäneräume fehlen. Insgesamt sei das Tierheim zu klein, schildert Vereinsvorsitzender Helmut Bauz. Seine Vorstellung ist deshalb klar: Ein Neubau wäre die beste Lösung. Dafür wäre allerdings ein Betrag bis hin zu einem mittleren sechsstelligen Bereich erforderlich. Hinzu kommt die schwierige Finanzierung des laufenden Betriebs. „Die Kosten dafür sind massiv gestiegen“, sagt Bauz. Die Gemeinden im Landkreis Roth, die für Fundtiere zuständig sind, zahlen seit rund zehn Jahren 40 Cent je Einwohner. Das sei zu wenig, sagte Bauz. Er hält eine Verdoppelung des Betrags für erforderlich.

Kosten entstehen dem Tierheim auch durch Tiere, die beispielsweise bei Polizeikontrollen auf der Autobahn aufgegriffen werden und anschließend in Roth landen. Wer für deren Unterbringung und Versorgung aufkommt, sei häufig nicht geklärt. Die Kosten blieben deshalb am Tierheim hängen.

Zum Jubiläum gab es allerdings auch konkrete Unterstützung. Die Firma Landschaftsbaufirma Biedenbacher aus Kammerstein überreichte dem Verein gemeinsam mit dem Kammersteiner Ersten Bürgermeister Roland Ammon einen Spendenscheck über 7000 Euro. 3000 Euro Spende hatte der Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes mitgebracht. „Wir bedanken uns für eueren Einsatz, der für jedes einzelne Tier den Unterschied bedeutet, weil ihr sein Schicksal ändert“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Robert Derbeck. Außerdem konnten die Besucher bei Führungen das Tierheim kennenlernen, sich im kleinen Feierdorf mit Essen und Hundebedarf versorgen und fünf Hunde kennenlernen, die zur Vermittlung stehen.

Zum Jubiläum waren zahlreiche Kommunalpolitiker gekommen. An der Spitze einer Delegation Rother Stadtratsmitglieder stand Bürgermeisterin Claudia Lux. Die CSU-Politikerin dankte dem Tierheim und seinen Mitarbeitern für ihren Einsatz und stellte sich in Sachen „Betriebskosten“ an deren Seite. „Der Betrag von den Gemeinden müsste erhöht werden“, so Claudia Lux. Auch Schwabach war vertreten. Mobilitätsreferent Maximilian Hartl vertrete den nördlichen Nachbarn, der häufig auf das KnowHow der Rother zurückgreifen muss, weil er über kein eigenes Tierheim verfügt. Schwabach betreibt lediglich eine „Tierauffangstation“. Rednitzhembach war durch Gemeinderatsmitglied Erwin Held und Schwanstetten durch Bürgermeister Harald Bengsch vertreten.

Eine besondere Begegnung war die mit der Frau, die vor 40 Jahren den Grundstein für den Verein gelegt hatte. Die heute 83-jährige Edith Graßer gehörte zu den Gründungsinitiatoren und hob den Tierschutzverein Roth 1986 aus der Taufe. Zehn Jahre lang war sie dessen Vorsitzende. 65 Mitglieder hatte der Verein damals. Heute sind es rund 800.

Auch das Tierheim ist eng mit dieser Geschichte verbunden. 1996 wurde es gebaut – finanziert mit 100 000 Euro Eigenmitteln und einem Kredit über 200.000 Euro. „Ehrenamtliche aus dem Verein und örtliche Firmen haben uns unterstützt“, erinnerte sich Edith Graßer. Drei Jahrzehnte später ist die damalige Lösung an ihre Grenzen gekommen. Das Jubiläum machte damit nicht nur deutlich, was der Tierschutzverein in vier Jahrzehnten aufgebaut hat. Es zeigte auch, welche Aufgabe vor ihm liegt: Damit die Tiere auch in Zukunft eine zweite Chance bekommen, braucht das Tierheim selbst eine solche.

Von: Robert Schmitt (meier Redaktion), Montag, 21. September 2026 - Aktualisiert am Sonntag, 27. September 2026
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