Ton, Steine, Scherben: Mauern im Garten

Region - Mauern können viel mehr als nur das Grundstück zum Nachbarn abgrenzen. Sie unterteilen, stützen und gestalten und können als echte Schmuckelemente angelegt werden.

  • © Floydine / stock.adobe.com

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Wer in seinem Garten eine Mauer errichten will, der hat die Qual der Wahl: hunderte Materialien und Ausführungen stehe zur Auswahl. Mauern können als Sichtschutz, als Terrassenumrandung, Hangabstützung, Einfassung von Beeten oder als Lebensraum für Insekten und Kleintiere dienen. Mit ihrer Hilfe kann man den Garten unterteilen, Terrasieren, oder sich ein gemütliches Eckchen schaffen – das tagsüber Schatten spendet und abends die gespeicherte Wärme abgibt. Der ideale Platz für eine Bank etwa. Oder das Mäuerchen selbst dient als Sitzgelegenheit.

Bevor Sie an die Planung gehen stellt sich also die Frage: Was passt am besten zu Ihrem Garten und welchen Zweck soll die Mauer erfüllen? Denn danach richtet sich die Bauweise und das Material.

Frei stehend = Mauern mit Mörtel

Ob eine Mauer frei oder am als Stützmauer am Hang steht wirkt sich unmittelbar auf das Material und die Art der Mauer aus: Frei stehende Mauern müssen keinem Seitendruck Stand halten, ihre Dicke ergibt sich unmittelbar aus ihrer Höhe. Zur Berechnung gibt es eine komplizierte Formel, als Faustregel kann aber gelten: eine 70 Zentimeter hohe Mauer sollte 17,5 Zentimeter dick sein, eine 1,3 Meter hohe Mauer 24 Zentimeter und  eine zwei Meter hohe Mauer 30 Zentimeter. Frei stehende Mauern sollten immer mit Mörtel verbaut werden, als Alternative gibt es Systeme, die verklebt werden können. Als Materialien eignen sich Beton, Ziegel, Klinker oder Natursteine. Ziegel, die anders als Klinker nicht glasiert sind, sind wasserdurchlässig und sollten von daher noch verputzt werden. Bei Natursteinen hat man etwa die Wahl zwischen Granit, verschiedenen Kalksteinen, Porphyr, Sandstein, Gneis oder, wer es ganz edel will, Marmor. Auch unbehauene Natursteine lassen sich verwenden, man sollte aber beachten, dass eine frei stehende Mauer immer zwei Seiten hat. Sind die Steine nur auf einer Seite ansehnlich, dann muss man doppelt mauern. Wer zu Natursteinen greift muss außerdem darauf achten, dass sie frostsicher sind. „Das ist bei manchen heimischen Materialien nicht gegeben“, weiß Frank Pianka von Bellagarda. Also im Zweifelsfall immer den Fachmann hinzuziehen. Was das mauern betrifft "kommt es immer auf die Begabung an“, weiß der Gartenbauexperte. Wer noch nie gemauert hat sollte sich gut informieren und genau überlegen, ob er sich an das Projekt wagen will. Denn eine gemörtelte Mauer verzeiht keine Fehler. Stellt man hinterher fest, dass was schief gelaufen ist - im wahrsten Sinne des Wortes - hilft nur der Presslufthammer. Zu Können gibt es vieles: korrektes Einmessen und Abstecken, absolut waag- und lotrechtes Arbeiten, verfugen. Alleine die richtige Menge an Mörtel aufzubringen ist eine Kunst.

Immer in Hanglage: Trockenmauern

Während man eine vermörtelte Mauer sowohl frei stehend als auch als Abstützung eines Hanges verwenden kann, gehen Trockenmauern ausschließlich am Hang. Bei Trockenmauern werden Beton- oder Natursteine ohne Fugenfüller aufeinander geschichtet. „Bei Trockenmauern arbeitet man immer mit Versatz, deswegen kann man sie nicht freistehend anlegen, erklärt Daniel Riedel von Adler Galabau. Einzige Ausnahme: eine Kräuterspirale oder ein Hochbeet. „Die Grundmauern eines Hochbeetes werden zweireihig angelegt und bilden ein Viereck, dessen Inneres mit Erde verfüllt wird“, erklärt Riedel. Als Materialien für Trockenmauern empfiehlt Riedel frostsichere Materialien wie Quarz, Kalk oder Schiefer. Mit Trockenmauern lässt sich vieles gestalten und befestigen, das geht von Terrassen, Sitzecken, erweiterten Lichtschächten bis hin zu kompletten Hangabstützungen. Die Mauern können durch kleine Wasserfälle oder Treppen durchbrochen werden. Am schönsten findet Riedel Trockenmauern, die als richtig schöne Biotope für Schmetterlinge und Bienen hergerichtet werden. „Die Steine wärmen sich auf, was die Insekten sehr mögen." Und auch im Winter finden sie in den Ritzen Unterschlupf. Solch ein Biotop sollte natürlich schön bepflanzt werden. Hier gibt es eine ganze Reihe geeigneter Arten (s. Kasten). „Die Bepflanzung nimmt man beim Errichten der Trockenmauer vor“, erklärt Riedel. „Man füllt dann gleich die Lücken mit Erde auf und setzt die Pflanzen hinein.“ Eine Trockenmauer selbst zu bauen ist laut Riedel durchaus zu schaffen. „Man darf aber nicht unterschätzen, dass die Steine ein gewaltiges Gewicht haben. Auch kleinere Exemplare wiegen 40 bis 50 Kilogramm. Für eine Mauer von 1,6 bis zwei Quadratmetern mit regulären Steinen von 40 bis 50 Kilogramm Gewicht und einer Dicke von 20 Zentimetern braucht man schon eine Tonne Material“, gibt er zu bedenken. 15 bis 20 Tonnen Material kommen da schnell zusammen, und die müssen ja erst mal abgeladen werden. Größere  Blöcke à 150 Kilogramm sind ohne Maschinen ohnehin nicht zu bewegen.

Ohne Fundament geht es nicht

Egal, für welchen Typ von Mauer man sich entscheidet: „Ein Fundament ist immer ratsam“, gibt Frank Pianka zu bedenken. „Dieses muss den Umständen entsprechend angelegt werden.“ Niedrige Mäuerchen kommen mit einem 30 Zentimeter tiefen Streifenfundament aus Kies aus. Alles, was höher ist, wird in der Regel auf ein 80 Zentimeter tiefes, sogenanntes frostfreies Fundament aufgesetzt, wobei die Beton- und Kiesschichten je nach Mauerhöhe variieren. Je höher die Mauer, desto mehr Beton und desto weniger Kies. So benötigt eine 75 Zentimeter hohe Gartenmauer 25 Zentimeter Beton und 55 Zentimeter Kies, eine 1,5 Meter hohe Mauer 35 Zentimeter Kies und 45 Zentimeter Beton. Der Kies wird zuunterst eingefüllt und verdichtet, für die Betonschicht ist bei bröckeligem oder sandigem Grund eine Verschalung aus Holz empfehlenswert. Für hohe Mauern ist zusätzlich eine Armierung im Beton nötig. Lediglich lehmige Böden sind geeignet, um den Beton direkt einzufüllen. Das Fundament muss dann zwei bis drei Wochen aushärten, bis es belastbar ist. Eine Alternative zum Betongießen ist die Verwendung spezieller Schalungssteine. Trockenmauer müssen neben dem Fundament eine Drainage am Hang erhalten. „Bei lehmigem Boden ist außerdem ein zusätzliches Drainagerohr unbedingt erforderlich“, betont Riedel.

 Einfache Lösung: Gabionen

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann auf die nach wie vor beliebten Gabionen zurück greifen. Mit ihnen lässt sich fast alles gestalten, von der Trennwand über den Sichtschutz bis zur Sitzecke. Sogar Hänge kann man mit ihrer Hilfe abstützen. Entsprechend befüllt variieren sie von naturnah bis stylisch. Gabionen gibt es in verschiedenen Größen und Formen, die Standardgröße ist 101 x 26,2 Zentimeter, die Höhe variabel. Aber es gibt auch Würfel ab 50 Zentimeter Kantenlänge, manche Anbieter fertigen sogar Wunschgrößen. Dass Gabionen immer noch der Geruch des Spießigen anhängt liegt an der oft einfallslosen Anordnung und Befüllung. Dabei bieten die Drahtkörbe eine Vielzahl an Möglichkeiten. Sie lassen sich nahezu beliebig anordnen, stapeln oder auffächern. Auch ein Hochbeet kann man mit den Gitterboxen anlegen oder eine Sitzecke. Dafür verwendet man unterschiedlich hohe Exemplare und verkleidet die Sitzflächen mit Holz. Zum Befüllen kann man nehmen, was einem so gefällt. Neben dem allfälligen Schotter nehmen die Drahtkörbe alles auf, was haltbar ist, Granit oder Sandstein, eckige oder runde Natursteine, Ziegel, gemischte Steine, Steinbruch aller Art oder auch Holz. Für flache Gabionen, die etwa ein Hochbeet einrahmen, braucht man nicht einmal ein Fundament. Höhere Elemente werden auf ein etwa 60 Zentimeter tiefes Fundament aus verdichtetem Schotter gesetzt. Hohe, freistehende Exemplare sollten außerdem durch einbetonierte Stahlpfosten fixiert werden.
Gabionen eignen sich wunderbar als Rankhilfe für Kletterpflanzen. Efeu, Wilder Wein, Clematis, Blauregen oder Efeu hangeln sich gerne am Gittergeflecht empor. Für Sträucher oder Stauden bilden sie einen geschmackvollen Hintergrund. Wer will, kann die Drahtgitterkörbe aber auch direkt bepflanzen. Hierfür die Wände mit Kokosmatten oder Vlies auskleiden, den Innenraum mit Erde befüllen, Löcher in das Vlies schneiden und die Pflanzen direkt einsetzen. „Vertical Gardening“ ist das Stichwort. ‚Ein weiterer Vorteil der Gabionen: sie lassen sich jederzeit wieder abbauen und versetzen. Je nach Geschmack kann man sie geradlinig, nüchtern und architektonisch oder wild, wuchernd und phantasievoll gestalten – und so auch einen wertvollen Biotop für kleine Wirbeltiere und Insekten erschaffen.  

Achtung: Vorschriften!

Glücklich, wer sich für eine Trockenmauer entscheidet: hier sind keinerlei Vorschriften zu beachten, wie Daniel Riedel versichert. Anders verhält es sich mit frei stehenden Mauern: diese gelten ab einer Höhe von 1,80 Metern als bauliche Anlage und unterliegen somit gesetzlichen Regelungen. Ab einer Höhe von zwei Metern ist ein statisches Gutachten erforderlich. Und knifflig wird es immer bei Mauern an der Grundstücksgrenze: hier gilt es neben dem Baurecht auch das Nachbarschaftsrecht zu beachten. „Regelungen können von Gemeinde zu Gemeinde variieren“, gibt Frank Pianka zu bedenken. Um auf Nummer sicher zu gehen sollte man sich also bei den zuständigen Stellen erkundigen – und auch mit dem Nachbarn reden. Ist dies erledigt, kann es losgehen mit dem Mauerbau.

Pflanzen für die Trockenmauer

Trockenmauern können in die drei Bereiche Mauerkrone, Mauerfugen und Mauersockel unterteil werden. Je nach Posaition in der Mauer oder Lage der Mauer (Sonne, Halbschatten) gedeihen unterschiedliche Pflanzen besonders gut.

 

Pflanzen für die Mauerkrone bzw. sonnige Lagen

Blaukissen (Aubrieta)
Fetthenne (Sedum)
Kissen-Seifenkraut (Saponaria ocymoides)
Hasenohr (Bupleurum sp.)
Heide-Nelke (Dianthus deltoides)
Hornkraut (Cerastium)
Hungerblümchen (Erophila)
Johanniskraut (Hypericum)
Mauerpfeffer (Sedum)
Mauer-Steinkraut (alyssum murale)
Mazedonische Goldgarbe (Achillea filipendulina)
Polsterglockenblume (Campanula portenschlagiana)
Rotes Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
Serbische Garbe (Achillea ageratifolia serbica)
Silberblättriger Storchschnabel (Geranium argenteum)
Steinbrech (Saxifraga)
Teppich-Phlox (Phlos subulata)
Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila)
Zwerg-Thymian (Thymus vulgaris compactus)

Pflanzen für Mauerfugen bzw. Halbschatten

Alpennelke (Dianthus alpinus)
Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes)
Gänsekresse (Arabis)
Gewimpertes Leinkraut (Linaria vulgaris)
Grasnelke (Armeria)
Leinkraut (Linaria)
Lerchensporn (Corydalis)
Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides)
Tüpfelfarn (Phlebodium)
Waldsteinie (Waldsteinia ternata)
Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)

Pflanzen für den Mauersockel

Blaukissen (Aubrieta)
Lavendel
Rosmarin
Silberdistel (Carlina acaulis)
Thymian
Wegmalve (Malva neglecta)
Ysop

Von: Kristin Wunderlich (meier Redaktion), Freitag, 19. Juni 2020 - Aktualisiert am Montag, 26. Oktober 2020
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