Tourismus im Schwarzachtal

Schwarzenbruck - „Unterhalb des Dorfes Schwarzenbruck an der Schwarzach liegt wieder ein schöner Hammer zwischen den Felsen, im Gsteinach genannt.“1) So beginnt die Beschreibung über eine Besichtigung des Gsteinacher Hammers im Jahr 1630. Die Beschreibung schließt mit dem Hinweis „Dabei ist sonderlich unterhalb ein überaus schöner Wasserquell zu sehen“. Ein früher Beleg, dass Leute auch damals bewundernde Worte für die spannende Naturlandschaft Schwarzachtal übrig hatten....

  • Abb. 4 um den 17.03.2018 geknickte Fichte links der Belüftungsstufe

    Abb. 4 um den 17.03.2018 geknickte Fichte links der Belüftungsstufe
    © B. Mayer (03.04.2018)

  • Abb.1: Gustav-Adolf-Höhle mit Kanzel

    Abb.1: Gustav-Adolf-Höhle mit Kanzel
    © B. Mayer 27.03.2016

  • Abb.2: Karlshöhle

    Abb.2: Karlshöhle
    © Kunstverl. Stögner, Nürnberg 1907

  • Abb.3: Schleuse 55 von E nach W

    Abb.3: Schleuse 55 von E nach W
    © B. Mayer (02.02.2018)

Die Touristen
Besichtigungsgruppe des Gsteinacher Hammers 1630
„Unterhalb des Dorfes Schwarzenbruck an der Schwarzach liegt wieder ein schöner Hammer zwischen den Felsen, im Gsteinach genannt.“1) So beginnt die Beschreibung über eine Besichtigung des Gsteinacher Hammers im Jahr 1630. Die Beschreibung schließt mit dem Hinweis „Dabei ist sonderlich unterhalb ein überaus schöner Wasserquell zu sehen“. Ein früher Beleg, dass Leute auch damals bewundernde Worte für die spannende Naturlandschaft Schwarzachtal übrig hatten.

August Graf von Platen
Am 21. Oktober 1822 beschreibt August Graf von Platen eine „größere Tour bis nach Steinach, wo der kleine dunkle Fluss zwischen Felsen sich drängt“2). Ein paar 100 Schritte vom Eisenhammer weg findet Platen eine Nische im Felsen, worin sich Tische und Bänke befinden, die er mit eingeschnittenen Studentennamen geziert vorfand, was ihn an einen früheren Besuch mit Freunden erinnerte. 

Der Altdorfer Landrichter Georg Schumacher war einer der Ersten die sich näher mit der Geschichte des Nürnberger Umlandes beschäftigt haben. Mit Tobias Hessel, dem Gründer des „Boten“ verbanden ihn viele gemeinsame Interessen sowie eine tiefe Freundschaft. Ihre Zusammenarbeit erstreckte sich über Herausgabe von  Schriften, die die Gebildeten der damaligen Zeit ansprachen wie „Musestunden freundlicher Unterhaltung“ oder „Der Lesefreund“ eine Schrift, die für Eltern und Lehrer gedacht war4). Für Schwarzenbrucker interessanter sind allerdings einige als Beilage VII im Dreizehnten Jahresbericht des historischen Vereins für Mittelfranken 1843 erschienenen „…ältere  Nachrichten aus dem Gemeindebezirk Schwarzenbruck“5). Seinen darin geschilderten Besuch in Gsteinach beginnt er wie folgt: „Hat man die Regensburg-Nürnberger Staatsstraße verlassen und ist dem Arm des Wegweisers folgend in den waldigen Feldweg eingelenkt, um nach Gsteinach zu kommen, so senkt sich nach nicht gar langer Strecke die Bahn immer tiefer, bis man endlich am gastlichen Hause des Werkmeisters … dicht an der Schwarzach angelangt ist“. „Gsteinach besteht aus dem Gasthaus und mehreren Fabrikgebäuden, die sämtlich dem Fabrikbesitzer Fischer in Erlangen gehören.“

Die Gustav-Adolf-Höhle kennt er als „Schwedenhöhle“ (Abb.1). Er erwähnt die Gsteinacher Fabrikjugend, die ihm gegen ein paar Kreuzer allerhand Gefälligkeiten erweist. Interessant ist seine Beschreibung der Gebäude von Gsteinach. Dort nennt er neben Wohnhaus, Waschhaus, Glasschleife einigen Schupfen und anderen Nebengebäuden auch das „neue Werk“. Damit dürfte der später als Hinterwerk bezeichnete Bereich um das Felsenhaus gemeint sein.

Konrad Koch
„Schmal ist der Gangsteig zwischen Wasser und Fels und manchmal so beengt, dass wir auf schwankendem Brette die Buchten und Rinnsale übersteigen müssen, die die das Wildwasser in den Uferrand oder den bröckeligen Fels genagt hat.“ So beschreibt Konrad Koch 1911 den Zustand des Weges, der ihn durch das Schwarzachtal führt6). Am Gsteinacher Hammerwerk lässt Koch rauschende Wässer jäh über Wehre abfallen um die pochenden Hämmer zu treiben durch die auf mechanischem Wege die Edelmetalle zu jenen feinen und dünnen Gold- und Silberfolien geschlagen werden, die Äpfel und Nüsse unter dem Weihnachtsbaum im richtigen Glanz strahlen lassen. Die Gustav-Adolf-Höhle führt diese Bezeichnung „seit jener Zeit, in welcher der Schwedenkönig auch diese Gegend mit Krieg überzog.“ Interessant sind auch die Gedanken, die Koch sich im Anblick von Flächen macht, die deutliche Spuren menschlicher Nutzung zeigen.“...Höhenzüge und Hänge in ganz unverantwortlicher Weise von gewinnsüchtigen Bauern abgeholzt und die Schönheit der Gegend mit einem Schlag 

vernichtet wird.“ Er will allerdings auch nicht, dass die Waldbesitzer den Augen des Touristen und Naturfreundes zuliebe auf ihre Besitzrechte verzichten, aber wenn sie schon Holz schlagen und Steinbrüche ausbeuten sei es das Mindeste durch sofortige Wiederaufforstung für einen dem Besucher angenehmen Anblick zu sorgen.

Hans Werner
Hans Werner, dessen Vater eine Zeit lang als Schleusenwärter auf der auf Schleuse 55 bei Gsteinach7) (Abb.3) Dienst tat, kannte das Schwarzachtal sicher sehr gut. In seiner Arbeit über Schwarzenbruck8) hat er darüber allerdings nichts geschrieben. Werner kannte allerdings die Arbeit des Landrichters Schumacher „Einige ältere Nachrichten aus dem Gemeindebezirk Schwarzenbruck“. Hier erwecken vor allem die Punkte Interesse, wo er von Schumacher abweicht. Zum Beispiel zeigt Werner bei Erzählung des Gottesdienstes in der Gustav-Adolf-Höhle so viel Lokalpatriotismus, dass er dem Leser keine Zweifel lässt, dass dieser Gottesdienst auch tatsächlich stattgefunden hat. Ganz anders Schumacher, der eine etwas zu martialisch geratene Beschreibung des Gottesdiestes aus der Zeit frühen 19. Jahrhunderts mit einer Liebe zum Detail zitiert, die jedem Leser nahelegt, dass der Gottesdienst so nicht stattgefunden haben kann.

Schumachers Vermutung, dass Wasserentnahme aus der Schwarzach zur Speisung des Ludwigskanals in Gsteinach die Einstellung des Hammerbetriebs bewirkte5), wird von Werner weder aufgegriffen noch kommentiert.

W.S.
W.S. sind die Initialen eines Journalisten, der uns in einem Zeitungsartikel der NN. im September 19619) eine Geschichte von einem kuriosen Industriebetrieb erzählt, bei dem die Touristen nicht nur staunen, dass der Wanderweg mitten hindurch führt, sondern auch darüber, dass in einem Naturschutzgebiet aus groben Granitblöcken Grabsteine geformt werden.

„Das kleine Gebirge von mächtigen Granitsteinen, das am Ufer der Schwarzach unter hochgewachsenen Bäumen lagert und nicht so recht in die Landschaft mit ihrem Rotsandstein passen will, ist größtenteils in einem fernen Land zusammengetragen worden...“. Dass der „starke Publikumsverkehr“ seinem Lager etwas anhaben könnte, gehört nicht zu den Befürchtungen des Besitzers Georg Lauterbach.

Albert Geng
2004 führt uns auch der wanderbegeisterte Albert Geng, langjähriger Betreuer des Hersbrucker Stadtarchivs11) durch das „Paradestück aller Naturdenkmäler im Altdorfer Land“10). Neben dem Biergarten im Schwarzachtal beim ehemaligen Granitwerk erwähnt er außerdem noch die Gustav-Adolf-Höhle, das Felsenhaus und das Flusskraftwerk, wo der Weg wieder ins Tal hinabführt. Nachdem er hier die Natur ihre Triumphe hat feiern lassen erwähnt er die oberhalb erscheinende Kläranlage sowie die Wasserleitungsbrücke. Dass er den Zweck ihrer Errichtung 1985 in der Tarnung des darunterliegenden Rohres sieht sei seinem Humor gegönnt. Des Weiteren werden natürlich Karlshöhle mit Quelle sowie Brückkanal in seiner Beschreibung gewürdigt.

Bernd Mayer
Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich selbst noch eine Beobachtung anfügen. Gegenüber der Belüftungsstufe kurz vor Einleitung des Wassers der Kläranlage in die Schwarzach fiel zwischen 16.03. und 18.03.2018 eine alte Fichte. Sie nahm bei ihrem Sturz nach Süden gleich noch eine Föhre mit, die dabei regelrecht entwurzelt wurde. Interessant an diesem Ereignis ist die Tatsache, dass es sich vorher angekündigt hat. So ab 1 Monat vor dem Ereignis konnte ich an der Belüftungsstufe dumpfe Knarzgeräusche wahrnehmen, die sich in ihrem Klang von üblichen Geräuschen, die im Wald auftreten unterscheiden. Den Ursprung dieser Geräusche konnte ich am südlichen Schwazachufer lokalisieren. Dort stand eben die alte Fichte, die heute in der auf Abb.4 sichtbaren Form zu sehen ist. 

Anmerkungen:

1) Schnelbögl, F.: 950 Jahre Schwarzenbruck in 950 Jahre Schwarzenbruck, Ein historischer Ort im Nürnberger Reichswald, ohne Seitennummerierung, Gemeinde Schwarzenbruck 1975.

2) August Graf von Platen †: Der Dichter August Graf von Platen in Altdorf, in Reichswaldblätter des Nürnberger Landboten Nr. 6 1937.

3) Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern, München, 1843

4) Der Bote von Altdorf 100 Jahre in Der Bote 11.01.1934

5) Schumacher, G.(Landrichter): Einige ältere Nachrichten aus dem Gemeindebezirk Schwarzenbruck in Dreizehnter Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken, BeilageVII, 1843 .

6) Koch, K.: Eine Wanderung durchs Schwarzachtal (Fortsetzung), in Das Bayernland, S. 112-114, 22.Jg. 1911.

7) Lebensbild von Hans Werner, Oberlehrer in Nürnberg. In Reichswaldblätter Blatt 12, 1938.

8) Werner, H.: Einiges aus der Geschichte des Schloßes u. Dorfes Schwarzenbruck, Historische Ausflüge in unsere Umgebung, Nürnberger Landbote 07.05.1927 (Teil 1) u. 03.06.1927 (Teil 2)

9) W.S.: Werk am Wanderweg, in Nürnberger Nachrichten, 13.09.1961.

10) Geng, A.: Durch die Schwarzachklamm, in Das Frankenalb Magazin, Sonderausgabe Frühjahr/Sommer, S.6/7, 3/04, 2004.

11) https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Geng (Abruf 10.04.2018)

Von: Bernd Mayer, Mittwoch, 16. Mai 2018 - Aktualisiert am Donnerstag, 17. Mai 2018
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Schwarzenbrucker Chronik« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/schwarzenbruckerchronik
Empfehlen Sie diesen Artikel:

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.