Umstrittene Entscheidung

Roth - Der Werkausschuss in Roth hat darüber diskutiert, welche Technik das Neubaugebiet am Westring mit Wärme und warmem Wasser versorgen soll. „Kalte oder warme Nahwärmetechnik“, lauteten die Alternativen. Die Mehrheit hat sich schließlich Stadtwerkechef Gerhard Brunner angeschlossen. Über 400 Wohnungen sollen nun mit bewährter Technik beheizt werden.

ROTH – Das neue Baugebiet am Westring wird wie bisher geplant ein warmes Nahwärmenetz erhalten. Dabei soll das Wasser, das im Netz zirkuliert und die Bauten direkt mit Wärme versorgt, durch Pellets und Hackschnitzel sowie von zwei großen, zentralen Wärmepumpen erhitzt werden. So lautet der Beschluss des Rother Werkausschusses. Nach ausführlicher und kontroverser Diskussion hat sich das Gremium mit sieben zu zwei Stimmen für den Vorschlag der Stadtwerke und des Bauamts entschieden. Ausgangspunkt der Entscheidung war ein Antrag des Stadtratsmitglieds Joachim Holz (Grüne). 

Der Physiker hatte beantragt, ein kaltes Nahwärmenetz zu errichten. Seiner Auffassung nach wäre das die bessere, weil zukunftsgerichtetere und unter Umständen auch preiswertere Alternative. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten, das sich für ein warmes Netz ausgesprochen hat, habe diese Möglichkeit zu oberflächlich untersucht. „Es gibt noch keine Gesamtkostenbetrachtung und wir verbauen uns mit der heutigen Entscheidung eine entscheidende Option“, so Holz.

Nach Darstellung des Grünen-Stadtratsmitglieds wäre ein kaltes Nahwärmenetz von Vorteil, weil sich damit im Sommer auch kühlen ließe und damit zusätzliche Klimaanlagen in den über 400 Wohnungen überflüssig wären. Ferner vertrat er die Auffassung, dass die Beheizung mit Biomasse Nachteile berge, weil das Holz teurer werde oder nicht mehr verfügbar sei und bei dessen Verbrennung auch Feinstaub entstehe. „Die Betriebskosten für ein kaltes Nahwärmenetz sind aller Voraussicht nach niedriger“, erklärte Holz. Außerdem sah er in der Kombination zwischen zentraler Holz- und Wärmepumpennutzung ein Problem. „Diese Lösung ist störanfälliger“, so Holz. „Das kalte Netz wäre aber auch nicht so einfach zu betreiben, weil es eine völlig neue Technik ist. Das wäre kein Selbstläufer“, entgegnete Gerhard Brunner.

Bei einem klassischen Nahwärmenetz wird Wasser auf bis zu 80 bis 100 Grad erwärmt. Über ein entsprechend isoliertes Rohrleitungssystem erreicht es so die Häuser, um sie mit Wärme und warmem Wasser zu versorgen. In einem kalten Nahwärmenetz wird ein Temperaturmedium auf höchstens 35 Grad erwärmt, das im Netz zirkuliert. Dann sitzt in jeder Wohnung eine Wärmepumpe, die die Temperatur auf Heiz- und Warmwasserniveau anhebt. Dieses System wird insbesondere für Neubaugebiete als vorteilhaft angesehen. Es verspricht sehr geringe Wärmeverluste, niedrige Netzkosten und die Erwärmung aus verschiedenen regenerativen Quellen. Es bedeutet aber auch eine komplexere Steuertechnik und einen höheren Strombedarf pro Haus. „Jede Lösung hat Vor- und Nachteile“, erklärte Joachim Holz.

Die Vorteile eines warmen Nahwärmenetzes liegen darin, dass es eine bewährte Technik mit direkter Versorgung und zentraler Wartung ist. Stadtwerkechef Gerhard Brunner wies insbesondere darauf hin, dass auch die von ihm angestrebte Lösung als klimaneutral gelte. „Wir als Stadtwerke sind nicht fixiert auf ein warmes Netz, aber laut Analyse ist es am einfachsten zu realisieren“, sagte Brunner. „Ob ein kaltes Netz noch nachhaltiger wäre, kann ich nicht beurteilen“, räumte der Werke-Chef ein, gab aber zu bedenken, dass ein neues Gutachten den Baubeginn um mindestens sechs Monate verzögern würde. 

Gegenwärtig rechnet man bei den Werken und an der Stadtspitze im Frühjahr 2027 mit dem ersten Spatenstich für die Wohnbebauung. Das würde auch einen früheren Verkauf der Grundstücke dort ermöglichen. „Dieses Geld haben wir für die Haushaltsanierung eingeplant“, meinte Daniel Matulla von der CSU und sprach sich indirekt auch für das warme Netz aus. „Wir bauen ja keinen Ölkessel“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende. Mit den beiden zentralen Wärmepumpen handle es sich durchaus um eine nachhaltige Lösung.

Ulrich Horn sah langfristig ebenfalls Probleme bei der Holznutzung. „Experten sagen, Holz wird sich erschöpfen“, meinte das Stadtratsmitglied der Linken. Markus Schaffer (SPD) hielt eine frühere Prüfung von Alternativen für erforderlich. „Schließlich müssen wir für die Zukunft Nachhaltigkeit priorisieren“, lautete seine Forderung. Ausschussvorsitzende Sonja Möller (Freie Wähler) sah mit Blick auf das Zeittableau ein Problem im technischen Fortschritt. „Jedes Jahr wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Was heute nachhaltig ist, ist es morgen nicht mehr.“ 

Von: Robert Schmitt meier Redaktion, Dienstag, 07. Juli 2026 - Aktualisiert am Freitag, 10. Juli 2026
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