Verschrobene Persönlichkeiten
Wendelstein - Zwölftklässler der Freien Waldorfschule Wendelstein strapazieren Zwerchfell des Publikums in „Pension Schöller“
Wendelstein, 2.3.2025 – Die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Wendelstein brachten den Festsaal zum Toben. Bei ihrer energiegeladenen und urkomischen Inszenierung von „Pension Schöller“ zeigten sie Schauspielkunst auf höchstem Niveau.
Die Bühne im Festsaal der Waldorfschule bleibt im ersten Akt verwaist. Stattdessen gehen die Zwölftklässler auf Tuchfühlung mit dem Publikum, kreisen es ein, spielen mit ihm. Und sie testen von der ersten Minute an dessen Zwerchfell. So skurril, so exzentrisch, so witzig kommen die Figuren daher, dass man von der ersten Minute glaubt, man sei selbst Gast der Pension Schöller – umgeben von all seinen illustren Langzeitbewohnern, von denen kein einziger als normal bezeichnet werden kann.
Hier wandelt der Großwildjäger im Leopardenmantel umher und stößt eifrig ohne Vorankündigung in sein Horn. Da versucht ein ausgemusterter Major mit martialischen Befehlen die Gewalt über die anderen Gäste an sich zu reißen. Dort schmettert Opernsänger Wagner mit Inbrunst sein Solo durch den Raum. Und mitten drin die Hauptfigur Paula Klapproth, wohlhabende und sozial engagierte Tante des finanziell minderbemittelten Pensionsbesitzers, die von einer bizarren Begegnung zur nächsten schlittert – und sich alsbald im Irrenhaus wähnt.
Wilhelm Jacoby und Carl Lauf haben die mehrfach verfilmte Komödie 1890 geschrieben und uraufgeführt. Kaum vorstellbar, dass es damals nur halb soviel Gelächter im Publikum gab wie nun in der Wendelsteiner Waldorfschule. Adaptiert durch Regisseur Christian Schidlowsky, haben die Zwölftklässler das Lustspiel nicht nur überzeugend auf die Bühne gebracht, sondern – gemeinsam mit mehreren Lehrern – auch alle Vorarbeiten dazu erledigt: etwa das Bühnenbild, Kostüme und die musikalische Begleitung.
Die Proben nahmen mehrere Wochen in Anspruch, zunächst neben dem regulären Unterricht, schließlich fast ganze Tage. Und so kam auch in diesem Schuljahr ein Theaterstück der 12. Klasse zustande, das zurecht als eines der Highlights der ganzheitlichen Waldorfschul-Ausbildung gelten darf. Vollends in eine Rolle schlüpfen, diesen Charakter überzeugend auf die Bretter bringen und sowohl Vorbereitung als auch Durchführung als Team zu meistern – das stärkt die Persönlichkeit der jungen Leute.
„Hört der Wahnsinn denn niemals auf?“ Das fragt sich die zunächst hoch amüsierte, dann aber immer mehr an ihrer eigenen Vernunft zweifelnde Tante Paula Klapproth am Ende des Stückes. Wird sie in die Pension Schöller mit ihren gleichermaßen verschrobenen wie liebenswerten Persönlichkeiten investieren und sie damit vor dem Bankrott retten? Es wäre doch zu schade, wenn nicht…
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