„Verschwende keine gute Krise!“

Nürnberg - Seit Beginn des Jahres 2016 stehen die Aktienmärkte massiv unter Druck. Der DAX und der Euro Stoxx 50 verloren bereits 18%. Auch die anderen Indices sind zweistellig im Minus. Die Volatilität befindet sich auf einem Rekordniveau und die Anleger sind verunsichert. Kommt es zu weiteren Kurseinbrüchen oder erholen sich die Kurse wieder? Mit welcher Strategie kommen Investoren erfolgreich durch die Krise?

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In den Medien sind die Risiken in den Finanzmärkten das beherrschende Thema. Die Chancen hingegen werden ausgeblendet. Sorgen um Chinas Wirtschaft und der niedrige Ölpreis werden immer wieder von den Analysten genannt. Neu sind die wieder aufflammenden Ängste um die Risiken im Finanzsektor. Insbesondere die Aktie der Deutschen Bank stand zuletzt im Fokus der Anleger. Darüber hinaus lassen sich noch eine ganze Reihe weiterer Risiken auflisten, die die Ängste der Anleger weiter anheizen könnten. Dazu gesellen sich noch die Crash-Propheten, die den Zusammenbruch des Systems vorhersagen. Ängste zu schüren ist jedoch wenig hilfreich. Die zentrale Frage ist, welche Handlungen sich für Sie als Investoren aus den Fakten ableiten lassen. Welche Entscheidungen treffen Sie? Kaufen Sie an schwachen Tagen oder verkaufen Sie aus Angst vor weiteren Kursverlusten? Vor gut einem Jahr waren die Meldungen über die Wirtschaft und den Ausblick für die Kapitalmärkte überwiegend optimistisch. In diesem Umfeld stieg der DAX im April 2015 auf 12.400 Punkte. Die Stimmung hat jedoch gedreht. Anfang Februar wurden die Tiefstkurse bei 8.700 Punkten markiert. Hätte man diese Entwicklung vorher in diesem Ausmaß sehen können? Welche Hinweise gab es, einen Kursrückgang um mehr als 20% zu prognostizieren?

Fehlbewertungen lassen sich erkennen…
Gerade in Zeiten wie diesen ist Besonnenheit nötig. Bei der Analyse der einzelnen Anlageklassen fällt auf, wie stark die Renditen inzwischen auseinander fallen. 10-jährige Bundesanleihen werfen nur noch 0,2% pro Jahr ab. Für den konservativen Anleger bedeutet dies, dass er insgesamt nur noch 2% für die gesamten 10 Jahre bekommt. Dem gegenüber steht das Risiko, dass bereits ein Zinsanstieg auf 0,4% ausreicht, um den gesamten Ertrag zu vernichten. Außerdem sind die Inflation und die zu zahlenden Steuern noch gar nicht berücksichtigt. Ist es vernünftig, sich diesem Risiko auszusetzen?

Ein weiteres Beispiel: Anfang Februar hat der Automobilbauer Daimler Rekordergebnisse für 2015 bekanntgegeben. Die Dividende steigt auf 3,25 Euro pro Aktie – und die Aktie fällt massiv auf unter 60 Euro. Als Begründung wurde der vorsichtige Ausblick von Daimler Chef Dieter Zetsche genannt. Bei einer Dividendenrendite von mehr als 5% und einer gesunden Perspektive sollten Anleger einen Blick auf Qualitätsaktien werfen! Auch andere Unternehmen wie die Versicherungen Allianz und Münchener Rück weisen attraktive Kennzahlen auf. Dem gegenüber steht der US-Autobauer Tesla, der in seiner gesamten Firmengeschichte noch kein Geld verdient hat. Bislang wurden nur Verluste erwirtschaftet. Obwohl sich der Verlust im vierten Quartal verglichen mit dem Vorjahr auf 320 Millionen Dollar fast verdreifachte, schoss die Aktie zeitweise um 15 Prozent in die Höhe, weil der Tesla-Chef Elon Musk ein „Turbo-Wachstum“ versprach und ehrgeizige Ziele ausgab. Wie reagierten die Anleger? Daimler Aktien wurden trotz guter Zahlen verkauft und Tesla konnte kurzfristig zulegen.

… und Übertreibungen lassen sich ausnutzen!
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich derartig irrationale Fehlbewertungen auf lange Sicht auflösen werden. Dies gilt für Aktien und für die Anleihen gleichermaßen. Allerdings ist es schwer, in turbulenten Phasen wie diesen die Ruhe zu bewahren und die Fehlbewertungen zu erkennen und seiner eigenen Strategie treu zu bleiben. Eine Strategie zu haben und daran festzuhalten, ist die eine Sache. Hilfsmittel zu haben, die mir helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist eine andere. Übertreibungen lassen sich anhand der Bewertungskennzahlen mathematisch und fundamental erkennen. Das menschliche Verhalten orientiert sich hingegen mehr an Stimmungen wie den Ängsten und der Euphorie, wie das Beispiel von Daimler und Tesla zeigt. Messen lässt sich das Verhalten der Anleger am besten mit Hilfe von Stimmungsindikatoren. Antizyklisches Handeln ist immer dann erforderlich, wenn die Stimmung euphorisch oder depressiv ist. Aktuell sind wir auf vielen Märkten in der Kaufzone oder kurz davor. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Verzweiflung noch größer wird und die Kurse noch weiter fallen. Dies war 2008 und 2009 ähnlich. 2008 brachen die Kurse massiv ein als Lehman Brothers insolvent wurde. Die Tiefstkurse waren im März 2009 zu verzeichnen. Danach ging es zügig und deutlich nach oben, obwohl 2009 konjunkturell das schwierige Jahr war. Daran lässt sich erkennen, dass die Börse versucht, künftige Entwicklungen vorwegzunehmen.  

Für den langfristig orientierten Anleger mögen die aktuellen Schwankungen gar nicht entscheidend sein. Er behält seine langfristige Perspektive. In 10 Jahren wird der DAX vermutlich deutlich über 20.000 Punkten stehen, wobei ich eine Aktienrendite für den Index von 7% unterstelle. Werfen wir noch einen Blick auf den DAX-Verlauf in den vergangenen 10 Jahren – wie lange hat es nach den vergangenen Korrekturen gedauert, bis das Niveau vor der Korrektur erreicht wurde? – Langfristig über die letzten 10 Jahre sind die Aktien deutlich gestiegen!

Ich ermutige Sie, den Blick auf die langfristigen Perspektiven zu legen und sich nicht von dem kurzfristigen Kursrücksetzer entmutigen zu lassen. Die positiven Aspekte finden in diesen Tage kaum Berücksichtigung, langfristig sind die Gewinnaussichten der Unternehmen und die Zinsen als Anlagealternative kursbestimmend.

Von: Wolfgang Juds (Geschäftsführer), Mittwoch, 17. Februar 2016 - Aktualisiert am Donnerstag, 18. Februar 2016
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