Vom Suchen und Finden der richtigen Ausbildung

Region - Die richtige Ausbildung zu finden ist ein Abenteuer, denn wie so oft klaffen Wunsch und Wahrheit weit auseinander. Wir stellen vier Auszubildende vor, die ihren Weg gemeistert und ihren Traumberuf gefunden haben.

  • Arbeit im Team ist beim Landratsamt Roth fester Bestandteil der Ausbildung.

    Arbeit im Team ist beim Landratsamt Roth fester Bestandteil der Ausbildung.
    © Landratsamt Roth

  • Man kann sich garnicht zu viel informieren, findet Melissa Meier. Und so hat sie trotz ihres festen Berufswunsches auch über den Tellerrand hinaus geblickt - um dann sicher zu sein, dass Friseurin das Richtige für sie ist.

    Man kann sich garnicht zu viel informieren, findet Melissa Meier. Und so hat sie trotz ihres festen Berufswunsches auch über den Tellerrand hinaus geblickt - um dann sicher zu sein, dass Friseurin das Richtige für sie ist.
    © HAIRlike

  • Für ihn war der Gang zur Arbeitsagentur der richtige Weg: Christof Riemer entschied sich aufgrund der Beratung und verschiedener Tests für ein duales Studium.

    Für ihn war der Gang zur Arbeitsagentur der richtige Weg: Christof Riemer entschied sich aufgrund der Beratung und verschiedener Tests für ein duales Studium.
    © Jung GaLaBau

  • Alles wie erwartet: dank Probearbeiten und Praktikum wusste Leon Gerner genau, was auf ihn als angehender Landschaftsgärtner zukommt.

    Alles wie erwartet: dank Probearbeiten und Praktikum wusste Leon Gerner genau, was auf ihn als angehender Landschaftsgärtner zukommt.
    © Jung GaLaBau

Ohne Eigenengagement, Informationsbeschaffung und möglichst viele Praktika geht es nicht – darin sind sich alle vier Protagonisten einig. Auch die Gespräche mit Freunden und Geschwistern waren hilfreich, nicht zu unterschätzen die Unterstützung durch die Eltern. Berufsmessen und Infoveranstaltungen in der Schule waren immer hilfreich. Trotzdem habe die vier ihren Weg auf ganz unterschiedliche Art und Weise gefunden.

Klares Berufsziel: Friseurin

Melissa Meier ist, das darf man so sagen, eine Ausnahmeerscheinung unter den Azubis. Denn für sie war praktisch schon immer klar, dass sie Friseurin werden will. Das liegt bei ihr sozusagen in der Familie: „Meine Mutter hatte schon ihr eigenes Friseurgeschäft und meine Großmutter auch.“ 

Trotzdem hat sie sich die Wahl ihres Ausbildungsbetriebes sorgfältig überlegt und sich auch umfassend informiert. Dass sie einfach bei der eigenen Mutter in die Lehre geht, das kam für Melissa nicht infrage. „Ich will mir lieber die Welt ansehen“, so die 18-Jährige. So hat sie noch während ihrer Schulzeit Praktika in verschiedenen Friseurläden absolviert und dabei unter anderem den Unterschied zwischen einem Laden auf dem Land und einem in der Stadt kennen gelernt. Sie hat aber auch verschiedene Berufsmessen besucht, unter anderem die Lehrstellenbörse in Hilpoltstein und Berufsinformationsveranstaltungen an diversen Schulen.

Und sie hat sich auch außerhalb ihres Wunschberufes umgesehen, Praktika in der Verwaltung gemacht und so für sich bestätigt: „Die Arbeit im Büro ist nichts für mich“.

Nach dem Realschulabschluss schrieb Melissa dann drei Bewerbungen auf Stellen, die sie über die Arbeitsagentur gefunden hatte und hörte sich um, welche Friseure denn einen guten Ruf hätten.

Worauf sie bei der Bewerbungsmappe achten muss, das hat sie in der Schule und mit Tipps ihrer Schwester und einer Freundin in Erfahrung gebracht. Auch auf das Bewerbungsgespräch wurde sie in der Schule vorbereitet. Zusätzlich hat sie sich noch mit Hilfe eines Buches auf die Fragen vorbereitet.

Den Ausschlag für ihren jetzigen Ausbildungsbetrieb, den Friseur Hairlike in Schwabach, gab dann der Umstand, dass sie sich die Friseurschule aussuchen durfte. „Ich wollte schon vor Ausbildungsbeginn auf die Schule gehen, damit ich bereits Vorkenntnisse mitbringe, und mein Chef, Marc  Seubert, hat mich hierin unterstützt, auch finanziell, denn ich gehe zu einer privaten Schule“, erklärt die Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Für Melissa ist klar: sie hat „ihren“ Beruf gefunden und wird dem Friseurhandwerk treu bleiben. 

Was ist ihr Tipp an alle Auszubildenden und solche die es werden wollen? „Früh anfangen mit dem Informieren, sich umsehen und viele Angebote nutzen.“ Und: „Eigenengagement ist extrem wichtig“.

Auf der „Nacht der Ausbildung“ funkte es

Auch Christine W. (Name von der Redaktion geändert), Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten beim Landratsamt Roth, hatte schon bevor sie sich endgültig für ihre Ausbildung entschieden hatte eine Ahnung, wo die Reise später hingehen sollte. „Ich habe schon durch den Wirtschaftszweig auf der Realschule immer in Richtung Büro tendiert.“

Und dann hat sie sich noch vor ihrem Schulabschluss auf viele Weisen informiert, zum Beispiel auf der Berufsmesse der Realschule Roth oder bei den Praktikumstagen im Rother Landratsamt.

Der Durchbruch kam schließlich bei der Nacht der Ausbildung in Roth. „Ich habe viele Firmen besucht – unter anderem auch das Landratsamt. Besonders die Gespräche mit den Azubis haben mich überzeugt: Ich konnte aus erster Hand erfahren, wie die Ausbildung abläuft, was mich erwartet und wer die künftigen Kollegen sein werden.“ Christine hat sich dann direkt beworben, musste einen schriftlichen Test sowie einen mündlichen in Form eines kleinen Vortrags ablegen und hat sehr schnell die Zusage bekommen.

An ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten gefällt ihr besonders, dass die insgesamt 36 Azubis an vielen Projekten arbeiten dürfen. „Wir Azubis haben zum Beispiel in den  Pfingstferien die Zulassungsstelle übernommen. Auch während der Ausbildung darf man auf vielen Veranstaltungen des Landkreises mit dabei sein. Zudem lernen wir viele verschiedene Bereiche kennen: Von der Abfallentsorgung bis hin zur Waffenkontrolle.

Die Arbeitsagentur: ein Volltreffer

Was wie der klassische Weg klingt, nämlich der Gang zum Berufsberater der Arbeitsagentur, ist längst nicht so verstaubt, wie es klingt. Denn auch die Behörden gehen mit der Zeit und verfügen neben der eigenen Erfahrung und ihrer Menschenkenntnis auch über verschiedene Tests und Selbsterkundungstools.

Christof Riemer, Abiturient und derzeit noch als Gartenarbeiter im Garten- und Landschaftsbau tätig, ging zur Berufsberatung, um sich über Ausbildungen zu informieren. Dort stellte sich heraus, dass eine Ausbildung das Richtige für ihn wäre. Und der Garten- und Landschaftsbau landete in den Tests immer ganz oben. Kein Wunder, denn bereits in der Grundschule war Christof in der Garten AG engagiert, auf dem Gymnasium in der 9. Klasse machte er ein Praktikum im Garten- und Landschaftsbau.

Wie es der Zufall wollte, las Christof eine Anzeige der Firma Jung GaLa Bau, die einen dualen Studenten für Landschaftsbau und –Management suchte – eine ideale Kombination. Einem Praktikum im Dezember folgt nun ein Job als Gartenarbeiter und Mitte Juli startet dann in einer Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf das duale Studium.

Die Qualität muss stimmen

Bei Leon Gerner, Auszubildender Garten- & Landschaftsbauer, waren die Qualität der Ausbildung und der Ruf, der einer Firma vorauseilt, ein auschlaggebendes Argument.

Er suchte einen Ausbildungsbetrieb im Umkreis und fand heraus, dass die Firma Jung GaLaBau für ihre Ausbildung mit einem Staatsehrenpreis ausgezeichnet worden war. Auf seine Bewerbung bekam er eine sehr schnelle Rückmeldung; machte daraufhin ein Praktikum und sah gleich: „das ist kein Job für Weicheier“. Aber für ihn war das genau das Richtige, denn er ist gerne draußen.

Nach seinem Praktikum im Juni fing er bei der Firma als Gartenarbeiter an und startete dann seine Ausbildung im September. „Es ist alles so eingetroffen, wie ich es mir vorgestellt habe“, erklärt der 21-Jährige. Kein Wunder, er hat seine Arbeit ja auch wirklich ausgiebig getestet.

Die Angebote an seiner Schule fand er dabei nicht wirklich hilfreich. Er würde den Zeitpunkt für die Pflichtpraktika anders setzen. Berufsberater hingegen fand er hilfreich, letzten Endes aber „bin ich ein Typ, der seinen Weg selber findet.” Der führte über einen kurzen Umweg über die FOS, wo er sich zunächst in Richtung soziale Berufe ausrichtete. Nach einem halben Jahr merkte er aber dann, dass dies nicht das Richtige für ihn ist.

Leon Gerner rät allen Schülern, die sich langsam in Richtung Ausbildung orientieren müssen, sich selber zu engagieren, die Initiative zu ergreifen und viele Praktika zu machen.

Fazit

Die vier vorgestellten Azubis zeigen, dass man sich gar nicht ausgiebig genug im Vorfeld informieren kann. Aber nicht jeder findet seinen Beruf auf Anhieb. Leons Umweg über die FOS war ein sehr kurzer, bis er doch ganz schnell den für sich richtigen Beruf fand. Doch manche suchen länger und auch das ist natürlich kein Beinbruch.

In der nächsten meier-Ausgabe kommen Auszubildende aus der Region zu Wort, die einen Weg mit Irrungen und Wirrungen hinter sich gebracht und diesen doch gemeistert haben. Sie geben wertvolle Tipps, was sie heute anders machen würden.

Von: Kristin Wunderlich ( meier Redaktion), Samstag, 15. Februar 2020 - Aktualisiert am Mittwoch, 18. März 2020
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