Wendelsteiner Marktgemeinderat hat sich konstituiert

Wendelstein - Bei der ersten Sitzung des neugewählten Wendelsteiner Marktgemeinderats sind die 39-jährige Anja Babinsky (CSU) und der 37-jährige Maximilian Lindner (SPD) zu Stellvertretern des Ersten Bürgermeisters Werner Langhans gewählt worden. Die beiden Personalentscheidungen waren Ergebnis einer Absprache zwischen CSU und SPD. Beide Parteien stehen sich inhaltlich sehr nahe. Feuerwehr, Gewerbeentwicklung und eine eigene Rettungswache für die Marktgemeinde sind die Topthemen für die nächsten sechs Jahre.

  • Der Wendelsteiner Marktgemeinderat hat sich gestern erstmals nach der Wahl zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen.

    Der Wendelsteiner Marktgemeinderat hat sich gestern erstmals nach der Wahl zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen.
    © Robert Schmitt

  • Erster Bürgermeister Werner Langhans bei seiner Erklärung im Marktgemeinderat.

    Erster Bürgermeister Werner Langhans bei seiner Erklärung im Marktgemeinderat.
    © Robert Schmitt

  • Anja Babinsky ist Zweite Bürgermeisterin der Marktgemeinde Wendelstein.

    Anja Babinsky ist Zweite Bürgermeisterin der Marktgemeinde Wendelstein.
    © Robert Schmitt

  • Maximilian Lindner ist zum Dritten Bürgermeister gewählt worden.

    Maximilian Lindner ist zum Dritten Bürgermeister gewählt worden.
    © Robert Schmitt

  • Acht neue Marktgemeinderatsmitglieder sind bei der konstituierenden Sitzung vereidigt worden.

    Acht neue Marktgemeinderatsmitglieder sind bei der konstituierenden Sitzung vereidigt worden.
    © Robert Schmitt

Das war die größte Überraschung bei der konstituierenden Sitzung des Marktgemeinderats Wendelstein. Als Erster Bürgermeister Werner Langhans (CSU) die Wahl des Zweiten Bürgermeisters aufgerufen hat, schlug Carolin Töllner von den Grünen SPD-Mann Maximilian Lindner vor. Nahe an der Sensation, weil ja in der Tagespresse kürzlich bereits vorgemeldet worden war, wie die personellen Hauptentscheidungen im Gremium getroffen werden sollten.

Das erst neu gewählte CSU-Gemeinderatsmitglied Anja Babinsky sollte erste Stellvertreterin von Langhans werden, Lindner den Posten des dritten Bürgermeisters erhalten. So der Bericht im Schwabacher Tagblatt. Offenbar hatte es also eine Absprache zwischen CSU und SPD gegeben, die im Gremium mit 25 Mitgliedern über eine relativ komfortable Mehrheit von 16 Stimmen verfügen. Dementsprechend lehnte Lindner Töllners Initiative ab. 

Bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters kam es dann dennoch zu einer Kampfabstimmung. Die 53-jährige Carolin Töllner trat selbst gegen ihre CSU-Kollegin an. Die 39-jährige Anja Babinsky behielt die Oberhand. Sie konnte 16 Stimmen auf sich vereinigen. Töllner erhielt vier Stimmen. Obwohl offiziell nicht zur Wahl gestanden, entfielen auf die 66-jährige Sonja von Kreß (parteilos) zwei und auf SPD-Fraktionschef Maximilian Klemm eine Stimme. Zur Wahl des Dritten Bürgermeisters trat von Kreß dann an, musste sich aber Max Lindner geschlagen geben, der sich über ein Vertrauen von 18 Stimmen freuen konnte. Sechs Stimmen gingen an die Gegenkandidatin, eine erhielt AfD-Mann Werner Fischer, der allerdings nicht auf dem Wahlzettel stand.

Wie aus den Reihen der CSU und der SPD zu erfahren war, beruhten die Wahlergebnisse tatsächlich auf Absprachen zwischen den beiden Fraktionen. „Wir haben bei der SPD die größten Übereinstimmungen gefunden“, erklärte CSU-Fraktionschef Thomas Puschner, der sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Sitzung zeigte. „Wir haben große, Aufgaben vor uns, da ist es wichtig, dass im Marktgemeinderat eine Mehrheit dafür zu finden ist“, so Puschner. Inhaltlich strebe die CSU eine Entwicklung des Feuerwehrwesens insbesondere einen Neubau des Wendelsteiner Feuerwehrhauses, eine Erweiterung der Gewerbeflächen und die Ansiedlung einer Rettungswache an, um die seit langem gekämpft werde. „Hier liegen wir mit der SPD weitgehend auf einer Linie“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende. Maximilian Lindner bestätigte diese Aussage. „Wir haben einige dicke Bretter zu bohren, die angesichts schwindender Finanzrücklagen nicht einfach zu entscheiden sein werden“, so Lindner mit Blick auf die CSU-SPD-Zusammenarbeit im Marktgemeinderat. Dabei strebe die SPD eine aktive und frühzeitige Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an.

Zum Auftakt der neuen Wahlperiode gaben sowohl der Erste Bürgermeister als auch die Sprecher der nun fünf Fraktionen im Wendelsteiner Verwaltungsorgan kurze Erklärungen ab.  Dabei betonte Werner Langhans, dass „Gemeinwohl, Daseinsvorsorge und nachhaltige Entwicklung“ im Zentrum der nächsten sechs Jahre stehen sollen. Maximilian Klemm versprach für die SPD, im Spagat zwischen eigenen Zielen und den Sichtweisen der anderen Fraktionen einvernehmlich Lösungen anzustreben. „Dabei werden wir notfalls die Demokratie leidenschaftlich verteidigen“, kündigte Klemm an. 

Thomas Puschner (CSU) wünschte sich im Gremium „eine Kommunikationskultur auf Augenhöhe und Entscheidungen mit Weitblick“. Carolin Töllner (Grüne) bezeichnete „Transparenz und Teilhabe als Kern grüner Politik“. Sie verlangte „einen lebendigen Ortskern ohne Durchgangsverkehr“ und trat für eine klimaresiliente Umgestaltung Wendelsteins ein. Stefan Stromberger (Freie Wähler/FDP) hob hervor, seine Fraktion wolle „Rahmenbedingungen für unternehmerische Freiheit und persönliche Entfaltung schaffen“. Dafür werde man im Gremium den Dialog suchen. AfD-Sprecher Werner Fischer betonte, die AfD sei eine „demokratische Partei, die für direkte Demokratie, Bürgerbeteiligung und Rechtsstaatlichkeit eintritt“.

Im Rahmen der konstituierenden Sitzung waren noch einige weitere Personalentscheidungen zu treffen, die alle sehr einvernehmlich und ohne Überraschungen erfolgten. So bestimmten die Marktgemeinderatsmitglieder den 42-jährigen Markus Grüßner zum Jugendbeauftragten. Sonja von Kreß bleibt ebenso Seniorenbeauftragte wie Elvira Kühnlein das Amt der Umweltbeauftragten weiterführt. Doris Neugebauer ist erneut zur Partnerschaftsbeauftragten gewählt worden. Der Marktgeimeinderat der Wahlperiode bis 2032 hat acht neue Mitglieder. Vereidigt wurden Anja Babinsky (CSU), Lisa Bergmann (SPD), Barbara Dorfner (Grüne), Herbert Ferstl (AfD), Werner Fischer (AfD), Matthäus Häfner (AfD), Marie Heubeck (CSU) und Dominik Kübler (CSU). 

Schließlich dankte Thomas Puschner noch dem bisherigen Zweiten Bürgermeister Willibald Milde und der bisherigen CSU-Fraktionsvorsitzenden Cornelia Griesbeck für ihren Einsatz für Wendelstein. Milde ist seit 1999 Marktgemeinderatsmitlgied und war bis 2008 Vorsitzender der CSU-Fraktion. Das Amt des Zweiten Bürgermeisters hat er zwölf Jahre lang bekleidet. Dritter Bürgermeister war er sechs Jahre lang. Cornelia Griesbeck gehört dem Marktgemeinderat seit 2004 an. 2008 wählte sie die CSU zur Fraktionsvorsitzenden. Thomas Puschner ist nun ihr Nachfolger. Werner Langhans verabschiedete Jörg Ruthrof als einen seiner Stellvertreter. Der Freie Wähler war seit 2020 Dritter Bürgermeister gewesen.

Von: Robert Schmitt (meier Redaktion), Freitag, 08. Mai 2026 - Aktualisiert am Sonntag, 17. Mai 2026
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