Wo Lernen zum Erlebnis wird

Nürnberg - Nürnberger Fischer zeigen Rednitzhembacher Schülern das vielfältige Leben am „Alten Kanal“. Netzwerk von Fischern garantiert Lernerfolg und Erlebnisse.

  • "Kavalier" Pongracz überreicht ein Blümchen

    "Kavalier" Pongracz überreicht ein Blümchen
    © Stromberger

  • Kleinstlebewesen an Unterwasserpflanzen suchen

    Kleinstlebewesen an Unterwasserpflanzen suchen
    © Stromberger

  • Gewässerwart Pongracz holt Material aus dem Wasser

    Gewässerwart Pongracz holt Material aus dem Wasser
    © Stromberger

  • Gruppenbild- Ausbilder und Schüler

    Gruppenbild- Ausbilder und Schüler

  • Am Aquarium ist es interessant !

    Am Aquarium ist es interessant !
    © Stromberger

Für den 27. Juni hatten Klassenlehrerin Angelika Dassow von der Montessori-Schule Roth-Schwabach und Jürgen Stromberger von der Nordbayerischen Sportangler-Vereinigung Nürnberg eine biologische Lehrwanderung am „Alten Kanal“ beim Weißen Häusla für eine 6. Jahrgangsstufe vereinbart.

Das setzte ein Netzwerk von Aktivitäten in Gang. Selbstverständlich in der Schule, weil der Besuch eines außerschulischen Lernortes immer gut organisiert und umfassend geplant werden muss. Auch bei den Fischern, nicht nur in Nürnberg, begannen die Vorbereitungen. Die Jugendabteilung des Landesfischereiverbandes in München versandte ein Lernpaket aus Schüler- und Lehrerheften, sowie Material zum Untersuchen von Kleinlebewesen, bestehend aus Schüsseln, Sieben und Becherlupen direkt an die Schule.

Schüler und Lehrer haben sich begeistert darauf gestürzt, und wie die Führung später zeigte, sehr intensiv damit befasst und eine Menge gelernt.

Bei den „Nordbayern“ musste der Termin für andere Aktivitäten gesperrt werden, der Pick-up reserviert und Helfer gefunden werden. Die mussten hauptsächlich dafür sorgen, dass am 27. auch wirklich lebendige Fische zu sehen waren. Das Helfernetz ging bis Dinkelsbühl, wo Fischzüchter Karl Wiesinger eine größere Anzahl verschiedener heuriger Jungfische zur Verfügung stellte: Karpfen, Schleien, Weißfische, Zander, alle etwa 2 cm groß, ein paar Kaulquappen waren auch dabei, aber das machte nichts, die gehören schließlich auch zum Leben am und im Wasser. Weil in einem Schaubecken natürlich aber auch größere Fische zu sehen sein sollen, griffen Gewässerwart Adrian Pongracz, Jürgen Stromberger und weitere Fischerkollegen zur Angel und fingen – mit Schonhaken – ca. 20 Weißfische in  unterschiedlichen Größen.

Am Tag der Führung war die Klasse pünktlich am Weißen Häusla. Schon der erste Eindruck zeigte, dass 22 interessierte, gut vorbereitete und wohlerzogene Schüler sich auf etwas Besonderes freuten. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Die Fischer hatten Stationen vorbereitet, welche das Augenmerk auf das Zusammenspiel von Pflanzen, Vögeln, Säugetieren, Fischen und Insekten in einem Biotop lenkten. Das war ein Heimspiel für die Schüler, die hatten ihr Arbeitsheft im Kopf und wussten Bescheid.

Bei Station 2, der Anpassung der Fische an das Leben im Wasser, wussten die Kinder eine ganze Menge, aber das Original sehen, fühlen und anfassen, dabei leisteten die Fischer Unterstützung. Ein totes Rotauge ließ wortwörtlich begreifen, wie eine Schleimschicht glitschig macht, Schuppen konnten die Kinder herauszupfen, betrachten und untersuchen. Dabei wurde von den Fischern auf das respektvolle Behandeln der lebenden und auch getöteten Fische hingewiesen. Weitere Betrachtungen an einer sezierten Rotfeder zeigten die Schwimmblase, zum Vergleich wurde die erheblich größere Blase eines Karpfens gezeigt. So war es kein Problem, den mühelosen „Aufzug“ für das Aufsteigen und Sinken der Fische zu erkennen. Diese Station fand großes Interesse.

Die nächste Station hatte das Potential zu einem Höhepunkt: Das Finden und Bestimmen von Kleinlebewesen. Die sieht man normalerweise nicht, aber der 1. Gewässerwart Adrian Pongracz machte es möglich. Er zog seine Wathose an und stieg ins Wasser. Dort schnitt er sorgfältig Seerosenblätter, Wasserpest und Wasserhahnenfuß ab. Rütteln oder Rupfen hätten die kleinen Bewohner abgeschüttelt. In einem Eimer wurde die Beute an den Tisch gebracht und mit großem Eifer untersucht. Und es gab etwas zu sehen: Wasserflöhe, Hüpferlinge, Libellenlarven und Fischegel waren teilweise mit bloßem Auge zu erkennen, zeigten sich aber deutlich in den Lupen. Auf einmal waren alle Kinder beschäftigt. Dass man dabei auch etwas schmutzig oder nass wurde, war bei keinem Schüler ein Problem. Es ist halt ein Unterschied zwischen einer Abbildung im Buch und dem Original, gerade weil es so winzig und auch so quirlig ist. Auch Emotionen kamen nicht zu kurz. Adrian Pongracz konnte der Bitte einiger Schüler nach einer Seerosenblüte nicht abschlagen.

Vorletzte Station war der vereinseigene Pick-up mit einem Schauaquarium. Da konnten die Kinder die Fische in ihrer Vielzahl in ihrem Element sehen. Unterschiede wurden erkannt, Fische identifiziert. Im Nu war das Becken umlagert. Damit es auch die nötige Muse zum Anschauen gab, hatte der Fischereiverein Brezen spendiert. Mümmelnd lässt es sich auch beobachten.

Ein Werkzeug der Fischer ist die Handangel.  Die beiden Fischer zeigten zum Ende der Tour einiges zur Ausrüstung und ein paar Wurftechniken. Klar, dass dann die Kinder das auch probieren durften. Das kam auch dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegen. Und Spaß machte es allemal.

Bei Temperaturen über 30°, selbst wenn man sich hauptsächlich im Schatten bewegt, ist es nicht selbstverständlich, dass Sechstklässler so fröhlich mitmachen, fleißig und gut nachfragen und mit Feuereifer dabei sind. Beim Abschied betonten Schüler und Lehrerin, dass sie vieles mit Freude gelernt hatten und dass sie den „Alten Kanal“ jetzt mit ganz anderen Augen sehen. Die Fischer konnten das Kompliment zurückgeben, denn mit diesen Kindern war es eine Freude, Wissen weiterzugeben.

Stromberger

Von: Jürgen Stromberger (Redakteur Vereinszeitung), Montag, 08. Juli 2019 - Aktualisiert am Donnerstag, 11. Juli 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Nordbayerische Sportangler-Vereinigung e.V. Nürnberg« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/firma/nordbayerische-sportangler-vereinigung-ev-nuernberg/2427
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