Überwältigende Rekordteilname an der Stunde der Gartenvögel in Bayern

Hilpoltstein - Teilnehmerrekord vom Vorjahr mehr als verdoppelt – Tödliche Bakterien könnten neben Blaumeisen auch andere Vogelarten betreffen

Für die Sensation bei der Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ sorgen dieses Jahr die Teilnehmer*innen selbst. Über 25.500 Bayern haben Anfang Mai in über 17.400 Gärten, Parks und Balkonen ihre Vögel gezählt und dem LBV gemeldet. Eine Rekordteilnahme, die das bisherige Rekordergebnis des Vorjahres sogar verdoppelt hat. „Wir sind überwältigt von der sensationellen Beteiligung an unserer Mitmachaktion. Wie erhofft schlägt sich das gestiegene Interesse an der Natur vor der Haustüre in Corona-Zeiten direkt in der Stunde der Gartenvögel nieder“, sagt Annika Lange, LBV-Citizen-Science-Beauftragte. Sie ergänzt: „Wir freuen uns, wenn das Interesse von Dauer ist und die zahlreichen Erst-Teilnehmer auch im nächsten Jahr wieder mitzählen und sich weiterhin für den Schutz der Natur im unmittelbaren Lebensumfeld begeistern und einsetzen.“ Leider hat sich der anfängliche Trend, dass das bundesweite Blaumeisensterben in Bayern nur eine Randerscheinung bleibt, im Endergebnis nicht bestätigt. „Auch bei uns wurden wie im Bundesdurchschnitt 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet als im Vorjahr“, so Lange. Die landkreisgenauen Ergebnisse der gemeinsamen Vogelzählung von LBV und seinem bundesweiten Partner NABU finden sich unter www.stunde-der-gartenvogel.lbv.de .

Bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ hatten die LBV-Naturschützer ein besonderes Auge auf die Blaumeise geworfen. „Mit nur noch 1,54 Vögeln pro Garten im Gegensatz zu 2 beobachteten Vögeln 2019, haben die Teilnehmer*innen 22 Prozent weniger Blaumeisen in Bayern gezählt“, erklärt Annika Lange. Bereits vor der großen Vogelzählung erreichten den LBV und NABU mehr als 1.500 bayerische Verdachtsfälle von toten oder kranken Blaumeisen. Für ganz Deutschland wurden knapp 40.000 betroffene Vögel gemeldet. Als Auslöser des Blaumeisensterbens wurde das Bakterium Suttonella ornithocola bestimmt. Mit den Ergebnissen aus der Vogelzählung kann nun ein sehr wahrscheinlicher Zusammenhang zwischen der Anzahl der Meldungen kranker Meisen und einem Rückgang der Bestandszahlen hergestellt werden. Je mehr tote Meisen von einem Ort gemeldet wurden, umso größer waren dort auch die Rückgänge der Meisenzahlen. „Wir können davon ausgehen, dass zumindest ein Teil des Bestandsrückgangs mit dem diesjährigen Blaumeisensterben zu erklären ist“, so die LBV-Biologin. „Für Bayern trifft dies vor allem auf die Landkreise Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim, Weißenburg-Gunzenhausen, Dillingen an der Donau, Unterallgäu und Main-Spessart zu.“

Weitere Arten wie die Goldammer oder das Rotkehlchen, die im Rahmen des Meisensterbens häufig von Vogelfreunden ebenfalls mitgemeldet wurden, verzeichnen auch einen Rückgang. „Auch für diese Vogelarten könnte ein Zusammenhang von Verdachtsmeldungen und Bestandsrückgängen bestehen. Ein Labornachweis des Bakteriums liegt bei diesen Arten jedoch noch nicht vor“, erklärt Lange.

Der Haussperling (1.) ist nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer der häufigste Gartenvogel in Bayern mit über vier Vögeln pro Garten. Der Spatz stagniert jedoch auf dem schlechten Niveau der Vorjahre und kommt schon seit einigen Jahren nur noch in zwei Drittel der bayerischen Gärten vor. Die Amsel (2.) erholt sich von den Bestandsrückgängen durch das Usutu-Virus in den Vorjahren und den letzten beiden Dürresommer. Sie ist als weitverbreitetster Gartenvogel, der in über 90 Prozent der Gärten gezählt wurde, zurück auf ihrem angestammten zweiten Platz. Dahinter rangiert der Feldsperling (3.) vor dem Star (4.). Auf Platz fünf folgt die Kohlmeise vor der Blaumeise (6.).

Verlierer dieses Jahr ist wie in den Vorjahren der Grünfink (8.). Er setzt seinen Abwärtstrend fort und wird mittlerweile nur noch halb so oft in den Gärten gezählt wie zu Beginn der Zählung 2005. Auch der Buchfink (11.) stürzt auf einen niedrigeren Rang ab, den er zuletzt vor acht Jahren belegte.

Zu den Gewinnern zählen die Türken- und Ringeltauben. Besonders der Bestand der Ringeltauben entwickelt sich seit Jahren positiv. Beide Taubenarten sind Wildtauben und nicht mit der gemeinen Stadttaube zu verwechseln.

Mauersegler (12.) und Mehlschwalben (9.) wurden dieses Jahr erfreulicherweise wieder häufiger gezählt. Als Jäger von Luftplankton, also Luftinsekten, sind beide Arten jedoch durch das Insektensterben gefährdet. Das zeigt auch der Vergleich der Meldedaten mit vergangenen Jahren. So wurden vor einem Jahrzehnt deutlich mehr der Insektenfresser gezählt.

Bereits vor der „Stunde der Gartenvögel“ haben uns über 1000 Naturfreund*innen Wiedehopfe in ihrem Garten gemeldet. Die Vögel befanden sich dabei auf dem Durchzug in ihre Brutgebiete. „Am Wochenende der Vogelzählung konnten immerhin noch 35 Wiedehopfe in den bayerischen Gärten gezählt werden, was uns hoffen lässt, dass der eine oder andere Vogel doch in Bayern bleibt und wieder zum Brutvogel wird“, so Lange.

Detaillierte Ergebnisse sind auf Bundes-, Landes- und Landkreisebene auf www.stunde-der-garten-voegel.lbv.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden.

Wer Lust bekommen hat, weiter zu zählen, kann noch bis 09. Juni an der Citizen-Science-Aktion „Insektensommer“ von LBV und NABU teilnehmen. Die nächste Zählung der Vögel im Garten, die „Stunde der Wintervögel“, steht vom 8. bis 10. Januar 2021 an.

Von: Markus Erlwein, Montag, 08. Juni 2020 - Aktualisiert am Montag, 08. Juni 2020
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »LBV Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/lbv-bayern
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