Junge Forscher am „Alten Kanal“

Nürnberg - Auf dem Lehrplan der Sechstklässer an der Georg-Holzbauer-Mittelschule in Nürnberg stand in diesem Sommer zum Oberbegriff „Lebensraum Wasser“ das Thema „Lebewesen am und im Gewässer“. Trotz des Titels ein trockenes Thema, wenn nur das Schulbuch Informationen dazu gibt.

Das muss nicht so sein, dachte sich der Lehrer im Ruhestand Jürgen Stromberger und seine Vereinskollegen der Nordbayerischen Sportangler-Vereinigung Nürnberg. Denn der Verein hat ein Fischrecht am „Alten Kanal“, ganz nahe an der Schule. Dazu kommen die Kompetenz zu einer qualifizierten Führung und nicht zuletzt lebendiges Anschauungsmaterial und eine tolle Handreichung des Landesfischereiverbandes Bayern.

Klassenlehrer K. Amvrossiadis nahm das Angebot dankend an und so versammelten sich die Schüler Ende Mai am „Weißen Häusle“. Schon auf den ersten Metern am Uferweg entlang wurden die Schüler auf die vielfältigen Vogelstimmen aufmerksam gemacht. Mindestens vier Stimmen waren klar unterscheidbar, sogar ein Kuckuck ließ sich hören. Blühende Pflanzen im und am Wasser erweckten die Aufmerksamkeit. Waren die Irisblüten nur schön, konnte der Sauerampfer durch Geschmacksprobe beweisen, dass er seinen Namen zurecht trägt.

Gewässerwart Adrian Pongracz stieg mit Wathose ins Wasser und gab ein Bündel Wasserpflanzen zum ersten Forschungspunkt. Auf einem Tisch lagen Siebe, Schüsseln und Becherlupen bereit. Nachdem alle Kinder erst einmal getestet hatten ob sie sich ekeln sollten, entdeckten sie sehr bald, dass es auf den Blättern und Stängeln  vor Leben wimmelte. Der Forschergeist erwachte, die Kleinlebewesen wurden in die Becherlupen gesteckt und betrachtet. Kleinkrebse, Insektenlarven und Würmchen wurden herumgereicht und kommentiert. Wie die Tierchen hießen, das entschlüsselt sich erst wieder in der Schule, dank des Begleitmaterials. Die Fischer erklärten, dass all dieses „Gewusel“ die Nahrungsgrundlage für die Fische ist. Die Arbeit mit dem Mikrokosmos im Wasser machte den Schüler sicher Spaß.

Im Wasser sind nur manchmal Fische zu sehen, manchmal verraten sie sich durch Ringe an der Wasseroberfläche. Bei dieser Führung waren Fische auf Armlänge zu beobachten, denn die Fischer hatten auf ihrem Vereins-Pick-Up ein großes Aquarienbecken mit lebenden Fischen aufgebaut. Unter fachkundiger Anleitung des Gewässerwarts lernten die Kinder die Unterschiede von Rotfeder und Rotauge, Barsch und Schleie, sowie Brachse und Zwergwels kennen. Die Aufgabe zwei unterschiedliche Fische zu zeichnen, fiel keinem Schüler schwer.

Natürlich gab es eine Vesperpause. Das ließ sich der Angelverein nicht nehmen. Mit Mineralwasser und Brezen war ein Sommertag am Wasser noch schöner.

An der nächsten Station weiter stand wieder ein Tisch, diesmal mit einem toten Rotauge und einem toten Barsch. Als Ausrüstung  waren dort eine Schneidunterlage, ein Skalpell und einige Pinzetten. Nach kurzem Widerstand schafften die Kinder sich zu überwinden und die Fische auch zu berühren. Sie erfühlten die Schleimschicht, entdeckten das Seitenlinienorgan und verglichen die Anordnung der Schuppen. Nachdem jeweils einige Schuppen herausgezupft und herumgereicht wurden konnten Unterschiede erkannt werden. Barsche haben Kammschuppen, das Streichen gegen die Schuppenrichtung fühlte sich rau an. Mit der Lupe war der kleine Kamm auf jeder Schuppe deutlich erkennbar.

Im weiteren Verlauf zerlegte Jürgen Stromberger die Fische teilweise. Er schnitt einen Kiemendeckel ab, so dass die Kiemenbögen  offen lagen. Mit geübter Hand öffnete er den Bauchraum des Rotauges und schnitt den unteren Bauchlappen ab. Die Schwimmblase wurde sichtbar. Auch wenn es anfangs nicht allen Schülern geheuer war, interessierte sie der „Aufzug ohne Anstrengung“, mit denen Fische fast mühelos im Wasser aufsteigen und sinken lassen können. Das leichte Gruseln der Pathologie vor Ort gehört halt zu einer Exkursion.

Anschließend  kam noch etwas Außergewöhnliches. Die Fischer hatten Krebse besorgt. Die kleinen Panzerritter wurden sehr distanziert betrachtet. Auf die Frage: „Wer traut sich denn einen Krebs in die Hand zu nehmen, wer lässt sich einmal zwicken?“ war erst einmal Stille. Aber dann meldete sich ein Mädchen mit einem leichten Schmunzeln. Wie vorgemacht, nahm sie einen Krebs hinter den Scheren hoch und betrachtete ihn von allen Seiten. So viele Beine! Mutig hielt sie einen Zeigefinger vor eine Schere. Der Krebs erkannte seine Chance und zwickte zu. Wer jetzt einen Schrei oder zumindest einen Quietscher erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Schülerin Celina zuckte etwas und sagte in aller Ruhe: „Spüren tut man es schon, aber es ist nicht schlimm!“ Das konnten die Jungs nicht auf sich sitzen lassen. Viele stellten sich der Mutprobe und waren danach richtig stolz. So etwas erlebt man nicht alle Tage.

Zu einem Fischereiverein gehört das Angeln einfach dazu. Zum Abschluss erhielten die Schüler die Gelegenheit unter Anleitung eine Angel – ohne Haken – auf einen Zielpunkt auszuwerfen. Routinier Adrian Pongracz gab geduldig Hilfestellung.

Mit einer kurzen Zusammenfassung wurden die Schüler zum Nachhauseweg verabschiedet. Alle Kinder hatten interessiert und diszipliniert mitgemacht. Praktisches Lernen macht eben Spaß und ist nachhaltig. Das bestätigte Lehrer Amvrossiadis. Ganz viele Details der Exkursion waren den Schülern noch Tage später präsent. Auch den Fischern hat die Unternehmung Spaß gemacht.

So erhalten Außenstehende Einblicke in Aufgaben und Hobby der Fischer. Für Schule und Verein werden sich solche Exkursionen sicher wiederholen.

Von: Horst Preiß (Redakteur der Vereinszeitung), Dienstag, 13. Juni 2017 - Aktualisiert am Montag, 26. Juni 2017
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Nordbayerische Sportangler-Vereinigung e.V. Nürnberg« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/firma/nordbayerische-sportangler-vereinigung-ev-nuernberg/2427
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