Karl-Heinz Gurnig ist tot

Wendelstein - Ein Nachruf

Wer mit ihm auf Tour war, konnte sein Alter leicht vergessen. Noch mit 70 fuhr er auf seinen Radler-Streifzügen so manchem Jüngeren locker davon. Gerade für Jüngere war Karl-Heinz Gurnig ein Ansporn, sich mit Radfahren bis ins hohe Alter fit zu halten. Und auch mit seinem Engagement bei den meier-Alltagsradlern machte er klar: Älter sein bedeutet keineswegs, sich nicht aktiv für öffentliche Belange zu engagieren. Im Gegenteil: Es ist das perfekte Lebensalter dafür. Seine körperliche Fitness und sein wacher Geist haben Karl-Heinz Gurnig dennoch nicht vor einem viel zu frühen Tod bewahrt. Nach einer schweren Erkrankung starb unser geschätzter Radler-Freund überraschend im Alter von 79 Jahren.

Karl-Heinz Gurnig hat sich in bewundernswerter Konsequenz der Idee einer radfreundlichen Welt verschrieben. Noch als das Fahrrad als Arme-Leute-Verkehrsmittel galt und Städte autogerecht umgestaltet wurden, erkannte der frühere Polizeibeamte im verschmähten „Drahtesel“ das umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Verkehrsmittel der Zukunft. Mit seinen Dienstagsradlern schuf er eine Gemeinschaft älterer Wendelsteiner, die ihren Ausflug lieber mit dem Rad unternahm als sich zu stressigen Auto-Spitztouren hinter das Steuer zu klemmen.

Sein Engagement dort und auch bei einer Reihe anderer Wendelsteiner Vereine hinderte Gurnig nicht daran, sich fast von der ersten Stunde an bei den vor gut zehn Jahren gegründeten meier-Alltagsradlern zu engagieren. Bereitwillig ließ er dort Jüngere an seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Freizeit- und Alltagsradler teilhaben. Daneben bot er auch Radausflüge im Rahmen des gemeinsamen Tourenprogramms von meier-Alltagsradler und ADFC an. Dabei verblüffte er selbst ältere Wendelsteiner mit seinen profunden Geschichts- und Regionskenntnissen; ob er Mitradler auf den Hafenbuck lotste oder über verschlungene Wege zur Schwarzach-Quelle führte – Karl-Heinz‘ Touren waren stets Heimatkunde zum Anfassen.

Fast unersetzlich war sein Beitrag bei der von den meier-Alltagsradlern geleisteten Vorarbeit für die von der Gemeinde herausgebrachte Radwegnetzkarte. Dank seiner Vor-Ort-Kenntnisse sorgte er für ein lokales Kartenwerk, das Radfahrern heute auf allen Routen sichere Wege weist. Und als es darum ging, Wendelstein radfreundlicher zu machen, brauchte es keine lange Recherche: Karl-Heinz Gurnig kannte als jemand, der seit Jahrzehnten Wendelstein durch die Brille des Alltagsradfahrers erlebte, längst alle Schwachstellen im örtlichen Radwegnetz. Es brauchte nur noch jemand, der sie konsequent auflistete und die Mängelliste auf die Gemeinde trug. Und auch dort bewies er mehr als einmal, dass er bereit war, für die Sache der Radfahrer konsequent zu streiten.

Von: Klaus Tscharnke, Sonntag, 18. Juni 2017 - Aktualisiert am Sonntag, 18. Juni 2017
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