Kennzeichen christlicher und sozialer Politik

Nürnberg - Pater Dr. Jörg Alt referiert beim Ökumenischen Neujahrsempfang in Worzeldorf

  • Pfarrer Stephan Neufanger / Corpus Christi und Pfarrerin Beate Kimmel-Uhlendorf / Osterkirche bedankten sich bei Pater Dr. Jörg Alt / CPH (Mitte).

    Pfarrer Stephan Neufanger / Corpus Christi und Pfarrerin Beate Kimmel-Uhlendorf / Osterkirche bedankten sich bei Pater Dr. Jörg Alt / CPH (Mitte).

  • Jesuitenpater Dr. Jörg Alt vor einem aufmerksam  zuhörenden Publikum.

    Jesuitenpater Dr. Jörg Alt vor einem aufmerksam zuhörenden Publikum.

Zum Neujahresempfang hatten die röm.-kath. Pfarrei Corpus Christi und die evang.-luth. Osterkirchengemeinde eingeladen. Ehrenamtliche der unterschiedlichen Gruppen, Vereine, Einrichtungen und der Politik aus dem Nürnberger Süden kamen am letzten Sonntag in die Osterkirche.

Vertrauensmann Dr. Roller begrüßte als Gastredner den Jesuitenpater Dr. Jörg Alt. Der Sozialwissenschaftler, Sozialethiker und Hochschulseelsorger  (KHG im CPH-Nürnberg) wurde bekannt durch seine sozialethischen Forschungsarbeiten und Publikationen. Für seine Dissertation zum Thema „Leben in der Schattenwelt“ - gemeint ist „illegale“ Migration lässt sich nicht verdrängen - erhielt er  den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien.

Mit der Frage „Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen und wichtigsten Themen für die lebende als auch die künftigen Generationen“ zog Dr. Alt die Zuhörer in seinen Bann und zeigte damit die Verantwortung eines jeden Einzelnen auf.

Drei Problemkomplexe stellte Jörg Alt in den Mittelpunkt: nationale und internationale Ungleichheit der Vermögensverteilung, Übernutzung der natürlichen Ressourcen (Klimawandel) und die digitale Revolution. Durch die Künstliche Intelligenz sind Umwälzungen beim Einsatz menschlicher Arbeit und bei den sozialen Sicherungssystemen zu erwarten.

Profiteure der Globalisierung sind  Kapitalströme, Großkonzerne und Lobbyisten, die mit kurzfristigem Quartalsdenken Regierungen unter Druck setzen. Populisten wollen uns einreden, man könne globale Vernetzungen im Nationalstaatskästchen einfangen, doch  grenzübergreifende organisierte Verbrechen und Migration verhindern sie damit nicht. Kurzatmige Flickschusterei bringt die Politik nicht weiter. Es fehlen der große Wurf und der Mut, alte Denkschemata zu verlassen und langfristige Denkansätze zu wagen. Es ist keine Lösung, wenn Politiker seriöser Parteien versuchen, Populisten das Wasser abzugraben, diese zu kopieren oder außen zu überholen wollen.

Dagegen zeichnet sich christliche und soziale Politik dadurch aus, dass sie sich verantwortungsvoll den Realitäten stellt und am Evangelium orientierte Werte vermittelt. Dies darf nicht nur in Parteiprogrammen stehen, sondern muss sich auch in der Tagespolitik widerspiegeln. Seriöse, christlich soziale Politik sollte nicht nur Symbolpolitik sein, sondern muss der Bevölkerung komplexe Themen verantwortungsvoll darlegen und darf nicht suggerieren, man hätte alles im Griff.

Dr. Jörg Alt kommt auf die Eingangsfrage zurück: Was kann der Einzelne tun? Was können insbesondere Christen durch Denken im Kleinen und Großen und durch entsprechendes Handeln beitragen? Jeder kann seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck anschauen und überlegen, wie die von jedem Deutschen durchschnittlich erzeugten 9,9 Tonnen CO2 pro Jahr reduziert werden könnten; Flugreisen, Autogrößen u.v.a.m. gehen hier ein.

Jesus war kein Nationalist, sondern ein Humanist. Und wir sind heute in einer globalen Schicksalsgemeinschaft eingebunden. Dennoch sind wir nicht hilflos ausgeliefert. Wir brauchen nur den Mut und die Zuversicht, die Konzepte und Instrumente der christlichen Soziallehre einzusetzen und zu leben. Tue Gutes und rede darüber.

Unser Gemeinwohl kann nur global gesichert werden. Es hilft kein „Deutschland zuerst“ oder „Amerika first“ und kein Brexit. Nur ein starkes und handlungsfähiges Europa bringt uns weiter. Populisten sagen „Fürchtet Euch!“ und ziehen Zugbrücken hoch. „Fürchtet Euch nicht“ steht am Anfang des Christentums. Das Christentum und die Aufklärung haben Europa zu einem Vorbild und Zeichen der Hoffnung in der Welt gemacht. Leisten wir heute unseren Beitrag – die Zeiten sind interessant und spannend zugleich.

Für seinen Vortrag erhielt Dr. Jörg Alt anhaltenden Beifall und Anerkennung. Pfarrerin Beate Kimmel-Uhlendorf und Pfarrer Stephan Neufanger bedankten sich beim Redner für die anregenden Gedankenansätze. Anschließend teilten viele Gäste sich mit Pater Alt und untereinander aus.

Musikalisch wurde der offizielle Teil von Kantor Joachim Roller am Klavier mit der Sonate in G-Dur von Johann Ladislaus Dussek und der Sonate D-Dur von Muzio Clementi umrahmt.

Von: Herbert Hänecke (Öffentlichkeitsarbeit Corpus Christi), Mittwoch, 16. Januar 2019 - Aktualisiert am Donnerstag, 17. Januar 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Kath. Pfarramt Corpus Christi« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/corpus-christi-nuernberg
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