Standpunkt: Städtebauliches Desaster

Wendelstein - Wendelstein liegt im Speckgürtel Nürnbergs und hat Bedarf an qualitativ hochwertigem Wohnraum. Deshalb müssen Bauprojekte heute in besonderem Maße architektonischen, städtebaulichen, sozialen und funktionalen Aspekten entsprechen. Die Qualität des Wohnens wird zukünftig, in Zeiten schrumpfender Bevölkerungszahlen, zum harten Standortfaktor für die Kommunen, um junge Familien und Senioren am Standort zu halten.

Mit der vorliegenden Planung für das ehemalige Hörnleingelände kann dieses Ziel nicht erreicht werden, da es sich um eine reine Monostruktur handelt. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass durch die zeitgleiche Schaffung von über100 Reihenhäusern, vor allem Neubürger zuziehen, die dem Wohnraumdruck (50.000 fehlende Wohneinheiten!) im Raum Nürnberg ausweichen und sich günstige Eigenheime in Großschwarzenlohe erwerben. Es muss also geprüft werden, ob die derzeit noch als Gewerbestandort deklarierte Fläche, außerhalb der bebauten Ortsgrenzen Großschwarzenlohes, überhaupt die geeignete Wahl für neuen Wohnraum in Wendelstein ist.

Sollte der Gemeinderat dann zu dem Schluss kommen, dass das ehemalige Hörnleingelände zu Wohnnutzung umgewidmet werden soll, fordern BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, den vorliegenden Entwurf der „Deutsche Reihenhaus AG“ aktiv mit zu gestalten, anstatt dem Investor freie Hand zu lassen. So sollten Flächen nicht ausschließlich für Reihenhäuser, sondern auch für Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser ausgewiesen werden. Hinzu kommt das Thema barrierefreies Wohnen, damit sowohl eine Altersdurchmischung als auch eine soziale Durchmischung erfolgen kann.

Bevor ein erster Entwurf eines Bebauungsvorschlages vorliegt, muss nach Meinung der Grünen auch geprüft werden, wie das neue Baugebiet die Verkehrsströme der Rother Straße in Richtung Kornburg aber auch zu den Kindertagestätten und Schulen beeinfluss. Wo sind die Grenzen der zumutbaren Verkehrsbelastung z.B. für Kornburg, das bereits jetzt unter hohem Pendlerverkehr leidet? Eine Gesamtbetrachtung der Neubaugebiete in Schwanstetten, Großschwarzenlohe und Kornburg müsste klären, ob die Verkehrsinfrastruktur überhaupt ausreichend ist. Ebenso müsste ermittelt werden, wie viele Kinder in dem Baugebiet zu erwarten sind und ob dafür die vorhandene Infrastruktur (Krippe, Kindertagesstätte, Hort und Schule) ausreichende Kapazitäten aufweist.

Auch die Folgekosten für die reine Reihenhausbebauung sind zu prüfen. So sollte in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden, wer für die erheblichen Schallschutzmaßnahmen aufkommt. Außerdem wäre zu prüfen, ob eine Erweiterung des Abwassersammlers oder sogar eine Ausweitung der Kläranlage erforderlich ist und wer die Kosten trägt. Auch muss festgelegt werden, wie mit dem anfallenden Niederschlagswasser umgegangen werden soll.

Grundsätzlich ist auf Grundlage der Befragung 50+, in der 800 Senioren (viele darunter Eigenheimbesitzer) erwägen, ihren Wohnsitz zu wechseln, zu klären in wie weit der sich abzeichnende Generationswechsel seitens der Gemeinde begleitet werden kann. So sollte z.B. der Erwerb und die Renovierung von Gebrauchtimmobilien durch junge Familien gefördert und gleichzeitig müsste mehr bedürfnisgerechter Wohnraum für Senioren geschaffen werden. Damit könnte auf Neubaugebiete weitgehend verzichtet werden was den Vorteil hätte, dass Wohnraum auf alle Ortsteile verteilt und die vorhandene Infrastruktur genutzt werden könnte. Hinzu kommt, dass evtl. durch den Rückbau, der über Wendelsteiner Gebiet laufenden 220 kV Stromtrasse, Flächen für Wohnraum frei werden.

BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN appelliert sowohl an die Verwaltung als auch an den Gemeinderat, kurz innezuhalten, einen Diskurs zuzulassen und Gestaltungswillen zu zeigen. Es sollten nicht einfach vollendete Tatsachen im Sinne des Investors geschaffen werden.

Von: Im Auftrag von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN OV Wendelstein, Donnerstag, 14. Juli 2016 - Aktualisiert am Freitag, 15. Juli 2016
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