Warum der Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes ein Schritt in die falsche Richtung ist…

Wendelstein - Bündnis 90/DIE GRÜNEN sind als einzige Fraktion im Wendelsteiner Gemeinderat gegen den Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes. Bemängelt wird, dass allzuviel neues Bauland ausgewiesen wird. Das vom Gemeinderat gesetzte Ziel, dass Wendelstein in den nächsten Jahren um 1,5% wachsen soll, bildet die Planung so nicht ab.

Als Wendelsteiner Gemeinderätin werde ich immer wieder von Bürgern angesprochen, warum wir Grünen als einzige Fraktion gegen den neuen Flächennutzungsplan gestimmt haben, wo er doch auf unseren Antrag hin erarbeitet wurde.

Ja, es stimmt. Vor drei Jahren haben wir den Antrag gestellt, für Wendelstein Planungsziele zu erarbeiten und dann einen neuen Flächennutzungsplan erstellen zu lassen. Unsere Intension war es, dass wir uns als Gemeinde Gedanken machen, wie wir in Zukunft in Wendelstein leben wollen.

Quo vadis Wendelstein?, so unser Motto. Den bestehenden Plan konnte keiner mehr sauber nachvollziehen. Handgezeichnet, teilweise mit Aquarellfarben coloriert und überklebt mit unzähligen Änderungen und Ergänzungen der letzten Jahrzehnten. Diese Planlosigkeit schien sich auch in der Salamitaktik der anstehenden Bauvorhaben fortzusetzen. An verschiedenen Stellen wurden in den letzten Jahren relativ willkürlich bauliche Entwicklungen zugelassen, die städtebaulich fraglich und wenig nachhaltig sind, ohne dass eine Meinungsbildung der Bürger hierzu erfolgt wäre.

Als Großschwarzenloherin möchte ich die gemeindliche Entwicklung an diesem Ortsteil aufzeigen. Bauleitplanerisch scheint mir beispielsweise die Positionierung des neuen Feuerwehrhauses am großen Kreisel in Kleinschwarzenlohe, außerhalb der Ortschaften, mitten in einem Waldstück. Ungeeignet. Ebenso verfehlt ist die Überplanung des Hörnleingeländes mit massiver, dichter Wohnbebauung, als Insel mitten auf dem Feld. Auch in Sorg soll vor dem Ortseingang ein neues Wohngebiet entstehen, flankierend des Bierwegs, wegen hoher Verkehrslärmbelastung dann hinter einer Schallschutzmauer versteckt.

Ein schöner einladender Ortseingang sieht irgendwie anders aus. Großschwarzenlohe sollte Neubürger willkommen heißen, mit offenen baulichen Strukturen, nicht hinter Lärmschutzwänden. Ein „Willkommen in Großschwarzenlohe“! Ansiedlungen an den vielbefahrenen Durchfahrtsstraßen runden das Ortsbild eben nicht ab.

Ich sehe keine Notwendigkeit, noch mehr neues Bauland auszuweisen. Großschwarzenlohe ist in den 70- er Jahren stark gewachsen. Viele Bestandshäuser werden durch den demographischen Wechsel frei, junge Familien können nachziehen, ein natürlicher Wandel. Wer neu bauen will, kann durch Abriss von Bestandsgebäuden andere Wohnformen in die bestehende Struktur einbinden. Schule und Kindertagesstätten sind bereits heute ausgelastet. Ein mehr an Wohnbebauung bedeutet zwangsläufig auch ein mehr an weiteren Infrastrukturmaßnahmen und Verkehr, was von allen Bürgern zu tragen ist.

Statistisch gesehen wächst deshalb dieser Ortsteil auch ohne neuauszuweisende Flächen, allein aufgrund des Wandels in der Altersstruktur. 2014 hatte GSL ca. 3.170 Einwohner, aktuell schon ca. 3.380 Einwohner, also ein plus von über 200 Personen!

Wohlgemerkt, die aufgezählten Entwicklungen werden wohl Inhalt des neuen Flächennutzungsplanes sein, das sind aber noch längst nicht alle Entwicklungsmöglichkeiten für den zweitgrößten Ortsteil von Wendelstein, so sieht es die politische Mehrheit. Vielmehr sind die anderen Parteien für ein noch deutlich stärkeres Wachstum, was sich im zukünftigen Flächennutzungsplan widerspiegeln wird.

Der neue Entwurf des Flächennutzungsplanes sieht noch weit mehr Wohnbebauung vor, so auch auf den Feldern zwischen Kaufland und Altort Großschwarzenlohe bis hin zum Fußweg, der von der bestehenden Feuerwehr bis hinter das Kaufland führt, durchbrochen von einen kleineren Mischgebiet. Wollten wir nicht die Zersiedlung vermeiden?

Eine sinnvolle und nachhaltige Ortsentwicklung sieht in meinen Augen anders aus. Für diesen Ortsteil allein sind nun Flächen für geschätzte 280 - 300 Wohneinheiten vorgesehen, mit der Option, diese in den nächsten Jahren zu bebauen. Zusammen setzt sich diese Anzahl aus ca. 40 Wohneinheiten in Sorg, hinter dem Feuerwehrhaus Richtung Wendelstein und gegenüber dem Sorger Metzger, ca. 100 Wohneinheiten auf dem Hörnleingelände, sowie ca. 150 Wohneinheiten zwischen Altort Großschwarzenlohe und Kaufland.

Das würde zusätzlich zum strukturell bedingten oben beschriebenen Wachstum ein mehr von ca. 800- 1.000 Einwohnern bedeuten. Oder anders gerechnet ein Wachstum von deutlich über 25% für Großschwarzenlohe.

Die Gemeinderäte aller anderen Fraktionen halten dieses Bevölkerungswachstum für „moderat“. Was das für den Ortsteil bedeutet scheint egal, für die Gesamtgemeinde Wendelstein an sich passt ja alles rechnerisch, oder?

Ich wünsche mir mehr Weitblick bei den politisch Aktiven. Nicht immer ist das Mithalten mit anderen Gemeinden im Wachstum ausschlaggebend. Wichtig ist doch, dass die Bürger und Bürgerinnen sich in der Gemeinde wohlfühlen, jung und alt gut miteinander leben können. Das bedeutet nicht zwangsläufig Wachstum in die Breite. Es bedeutet vor allem attraktive Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten im Gemeindegebiet, fußläufig erreichbare Spiel- und Bolzplätze sowie ein reiches kulturelles Angebot. Die Kunst liegt darin, die Infrastruktur immer der Bevölkerungsstruktur anzupassen.

Als Marktgemeinderätin der BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN setzte ich mich dafür ein, dass Wendelstein für Alt- und Neubürger liebens- und lebenswert bleibt. Für Großschwarzenlohe spiegeln sich diese Ziele im neuen Entwurf des Flächennutzungsplanes für mich und für viele Bürgerinnen und Bürger, die sich eindeutig in der Planungswerkstatt dazu geäußert haben, nicht wider. Und für die meisten anderen Ortsteile auch nicht. Deshalb und aus etlichen weiteren guten Gründen - genannt sei beispielweise die Aufnahme etlicher Waldflächen, die zur baulichen Nutzung vorgesehen werden:

ein klares und eindeutiges Nein zum vorgelegten Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes!

 

Von: Carolin Claudia Töllner (Gemeinderätin in Wendelstein), Samstag, 19. Januar 2019 - Aktualisiert am Montag, 21. Januar 2019
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