Beim Flächennutzungsplan „Einschwenken auf Pfad der Vernunft“

Wendelstein - Als ein „Einschwenken auf einen Pfad der Vernunft“ bei Wendelsteins Zukunftsplanung bewerten Wendelsteiner Bürger die Abstriche beim jüngst vom Marktgemeinderat beschlossenen Entwurf des Flächennutzungsplans mit integriertem Landschaftsplan. Dennoch müssten alle, die sich in den vergangenen Jahren für eine maßvolle Entwicklung Wendelsteins eingesetzt hätten, weiterhin etliche Kröten schlucken, sollte der jetzige Entwurf vom Gemeinderat endgültig abgesegnet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“ (IBgW). Grundfehler bleibe der Verzicht der Gemeinde auf ein Ortsentwicklungskonzept als Grundlage für die künftige Flächennutzung.

Auch das Hauptkriterium der Gemeinde bei der Ausweisung künftiger Baugebiete — die Verkaufsbereitschaft der jeweiligen Grundstücksbesitzer – habe mit guter Ortsplanung nicht das Geringste zu tun. Ein weiterer Grundfehler: Das Fehlen einer Verkehrsfolgenabschätzung. Die Gemeinde plane neue Baugebiete, ohne die Frage zu beantworten, wie viel Autoverkehr dadurch entstehe und wie dieser angesichts der schon jetzt teils katastrophalen Verkehrsverhältnisse in Wendelstein künftig bewältigt werden solle, kritisiert die parteiunabhängige Ortsentwicklungsinitiative.

Insgesamt zeige der nun vorliegende Entwurf aber auch, dass sich Bürgerengagement lohne. Die von der IBgW mit angestoßene Debatte habe ganz offensichtlich entscheidend dazu beigetragen, etliche der geplanten ortsplanerischen Sündenfälle zu verhindern. Nicht zuletzt mit der von den Bürgern durchgesetzten Planungswerkstatt im April 2017 hätten moderne Formen der Bürgerbeteiligung, wie sie andernorts schon seit vielen Jahren praktiziert würden, endlich auch in Wendelstein Einzug gehalten. Auch die Vielzahl der schriftlichen Bürgereinwendungen habe bei der einen oder anderen umstrittenen Fläche bei Planern und Politikern ganz offensichtlich für Nachdenklichkeit gesorgt, ist die IBgW überzeugt.

„Die Streichung vieler umstrittener Flächen und die Verringerung der Gesamtfläche um ein knappes Drittel stellt ein wichtiges Etappenziel dar“, stellt IBgW-Sprecher Reinhold Selz fest. Etliche der aus dem Plan wieder herausgenommenen Flächen, wie etwa das Grundstück hinter dem Neuen Friedhof in Röthenbach direkt an der Autobahn, seien aber so abwegig gewesen, dass man sie nicht mehr als Verhandlungsmasse der CSU in der Auseinandersetzung um Wendelsteins Zukunft bewerten könne. Erfreulich sei die Streichung der Wohngebiete in dem wertvollen Waldsaum oberhalb des Schwarzachtals (Kellerstraße, Brauereigelände und teils in der Tiefenthalstraße in Röthenbach). Bedauerlich sei dagegen die mangelnde Konsequenz der Gemeinderatsmehrheit im Fall der Tiefenthalstraße: Eines von ursprünglich drei Waldgrundstücken soll dennoch bebaut werden können.

Was in dem Planentwurf nach Einschätzung der IBgW weiter schwer wiegt, ist die gewaltige Dimension des auf dem Richtweg-Grünzug geplanten Gewerbegebietes, gibt die IBgW zu bedenken. Das rund 7 Hektar große Areal werde eine direkt an den Ort angrenzende grüne Lunge im Osten des Wendelsteiner Hauptortes zerstören. Wenn es denn wirklich notwendig sei, sollte es auf jeden Fall deutlich verkleinert, insbesondere das Waldstück zwischen den beiden Seniorenheimen unbedingt erhalten werden. Dabei hätte, wenn denn der Bedarf nach Gewerbeflächen nach Angaben von Bürgermeister Werner Langhans (CSU) denn so groß ist, mit dem Hörnlein-Gelände in Großschwarzenlohe bereits eine versiegelte Gewerbefläche zur Verfügung gestanden. Stattdessen entstehe dort nun abseits des Hauptortes ein Reihenhaus-Ghetto mit knapp 100 Reihenhäusern.

Der schon jetzt in verkehrlicher Hinsicht arg geschundene Ortsteil Großschwarzenlohe wird nach IBgW-Einschätzung angesichts der recht üppigen Wohn- und Mischgebietsplanungen künftig mit ungleich größeren Problemen zu kämpfen haben. Mit zwei großen Wohngebieten östlich und südlich des Hörnleingeländes und einem Mischgebiet südlich des Kaufland-Supermarktes drohen Großschwarzenlohe zusammen mit dem Hörnleingelände im Süden des Ortsteils geradezu trabantensiedlungs-artige Strukturen. Die IBgW hält die dort ausgewiesenen Flächen aus stadtplanerischer Sicht für absolut unverträglich. „Auf keinen Fall dürfe dort nach dem Motto gehandelt werden: „Jetzt haben wir mit Hörnlein- und Kaufland-Gelände ohnehin schon zwei Sündenfälle, da kommt es auf weitere Sündenfälle auch nicht mehr an“, macht IBgW-Sprecherkreis-Mitglied Klaus Tscharnke deutlich.

www.ibgw.info

Von: Klaus Tscharnke (Sprecherteam), Freitag, 21. Dezember 2018 - Aktualisiert am Montag, 21. Januar 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/initiative-buerger-gestalten-wst

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