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Der Fasching mit Spagat, Hebefiguren und guter Laune

Region - Jetzt ist wieder die Zeit der Faschingsbälle, Umzüge und Prunksitzungen. Die Region wird bunt mit Konfettikanonen, Luftschlangen und lustigen Maskeraden. Doch es gibt auch eine sportliche Seite, die untrennbar zur Faschingssaison dazu gehört.

  • © Faschingsgesellschaft Grün-Weiß Wendelstein

  • © Faschingsgesellschaft Grün-Weiß Wendelstein

  • Nathalie Schuhmann – Gardefoto aus der aktiven Zeit (2014).

    Nathalie Schuhmann – Gardefoto aus der aktiven Zeit (2014).
    © Faschingsgesellschaft Grün-Weiß Wendelstein

  • Melina (Betreuerin) mit Svenja (noch  Juniorengarde und Solo-Tanzmariechen)

    Melina (Betreuerin) mit Svenja (noch Juniorengarde und Solo-Tanzmariechen)
    © Schwander Carnevals Club e.V.

  • Light & Pois des SCC Schwand

    Light & Pois des SCC Schwand
    © Schwander Carnevals Club e.V.

  • Juniorengarde

    Juniorengarde
    © Schwander Carnevals Club e.V.

  • Luisa Lehmeyer von den Schwabanesen beim Marschtanz der Prinzengarde.

    Luisa Lehmeyer von den Schwabanesen beim Marschtanz der Prinzengarde.
    © Schwabanesen / Tom Reich

  • © Schwabanesen / Tom Reich

  • © Schwabanesen / Tom Reich

Die meier Redaktion spricht mit Gardetänzerinnen aus den ansässigen Vereinen, stellvertretend für alle Faschingsaktiven in der Region.

Trainerin Heike Fürst Debus ist schon durch ihre Eltern in den Schwander Carnevals Club e.V. gerutscht. Sie ist seit ihrem 6. Lebensjahr aktiv dabei und blickt mittlerweile auf 40 Jahre Vereinszugehörigkeit zurück, für die sie kürzlich erst geehrt wurde.

Mittlerweile sind auch ihre Kinder in die Faschingsfußstapfen getreten. Die kleine Tochter Svenja als Einzelmariechen und bei den Junioren, der Sohn tanzt bei der Herrentruppe, den „Majoretten" und ist in der Vorstandschaft aktiv, die große Tochter hat das Amt der Schriftführerin inne. Ihr Mann ist Schatzmeister und sie selbst kümmert sich als Trainerin um die Juniorengarde. Zum 50. Vereinsjubiläum im Jahr 2012 wurde das Ehepaar gemeinsam auf den Faschingsthron gesetzt. Oliver I. und Prinzessin Heike I. – beide hatten da schon „königliche“ Erfahrung als Kinderprinz und Kinderprinzessin.

Fasching ist bei Familie Fürst Debus also Familienthema Nummer 1

man unterstützt sich bei den einzelnen Aufgaben und bringt natürlich viel Verständnis für einander auf, denn die Saison für einen Faschingsverein ist viel länger, als man vielleicht vermuten mag. Bereits nach den Osterferien beginnen die Trainings, die Choreografien müssen entwickelt und die Kostüme vorbereitet werden und es gibt allerhand zu tun, auch außerhalb der eigentlich „närrischen“ Zeit.

Ab dem 3.2., in der Woche von Weiberfasching bis Aschermittwoch, geht es in der diesjährigen, relativ kurzen Faschingssaison rund. Da jagt ein Auftritt den nächsten, egal ob Eigenveranstaltung, Umzug oder Besuch bei befreundeten Vereinen, und es gibt nicht viel Gelegenheit, andere private Dinge einzuplanen. Grundsätzlich sind aber Berufliches, Privates und Vereinsleben im Jahresverlauf gut miteinander vereinbar. 

„Am schönsten finde ich es, zu sehen, wie die jungen Leute, die ich von klein auf kenne, sich im Vereinsleben integrieren und entwickeln“,

verrät Heike Fürst Debus am Ende unseres Gespräches.

Auch Luisa Lehmeyer von den Schwabanesen ist von klein auf in den Fasching hineingewachsen. Bereits mit 2 Jahren hat sie bei den Zwergerln angefangen, jetzt ist sie aktiv in der Prinzengarde dabei. Neu ist ihr zusätzliches Engagement als Trainerin für die Juniorengarde. Für die Lehramtsstudentin lässt sich Studium, Privates und Vereinstanz gut unter einen Hut bringen. Nur in der Klausurenphase, die aktuell in die Faschingszeit hineinfällt, ist es schon etwas anstrengend. „Aber da bin ich einfach längst gut hineingewachsen. Man bastelt das Leben dann schon so außen herum, damit es passt“

Das Team, die Freude am Auftritt und wenn sie den Menschen ansehen kann, dass ihnen der Auftritt gefällt,

das sind die wichtigsten Gründe für Luisa Lehmeyer, die sie zum „Dranbleiben“ motivieren. Aber auch das Kennenlernen von neuen Menschen auf Veranstaltungen, die Treffen mit den anderen Gardemädels und die persönliche Entwicklung schätzt sie in besonderem Maße. Für Luisa ist es das „Gesamtpaket“, das seinen Reiz ausmacht. Das Beherrschen der Choreografie, der Mix aus schwierigen akrobatischen Leistungen und tänzerischem Können. Und der Stolz darauf, wenn man eine schwierige Passage gut gemeistert hat.

Der Gardetanz ist ihr Hauptsport, schließlich finden die Trainings ab März 2x wöchentlich statt, in der heißen Phase auch mal 3-4 Stunden zusätzlich am Wochenende oder in Form eines Trainingslagers am Samstag und Sonntag. Nebenbei geht sie – für die Kondition – auch ins Fitnessstudio. Das ist aber ihre persönliche Entscheidung, kein Muss seitens des Vereins.

Ihren Freund hat sie im Fasching beim Tanzen kennengelernt. Das ist für sie ein großer Vorteil, denn er kennt den Sport und kann sie bestmöglich in ihrem Tun unterstützen.

Ebenfalls aktiv bei den Schwabanesen: Lara Kühnlein. Die 21-Jährige kam erst mit 9 Jahren zum Verein und hat in der Juniorengarde begonnen. Damals hatte sie tänzerisch einiges aufzuholen, denn die anderen Mädels waren vom Können her schon viel weiter. Aber das Aufholen hat gut funktioniert. Mittlerweile ist sie längst in der „Königsdisziplin“, der Prinzengarde angekommen und hat besonders in diesem Jahr enormes geleistet. Denn im vergangenen Jahr ist sie Mama geworden und hat bis in die 39. Schwangerschaftswoche hinein, mit ärztlicher Zustimmung, auch am Training teilgenommen. Und bereits 3 Wochen nach der Geburt stand sie wieder mit den anderen auf dem Trainingsboden. Dass das so schnell ging, hatte niemand für möglich gehalten, und nun teilt sie sich mit einer anderen Tänzerin das Kostüm und die Auftrittstermine.

„Das hat schon viel Disziplin gekostet, aber nun ist sie stolz auf ihre Leistung“

„Ich kann gar nicht mehr ohne“, verrät uns Lara im Gespräch, denn der Verein ist auch so etwas wie ein Teil ihrer Familie geworden, langjährige Freundschaften haben sich im Laufe der Zeit entwickelt und die Menschen sind ihr ans Herz gewachsen.

Der Papa ihrer Tochter unterstützt sie sehr, auch wenn er mit dem Fasching selbst nichts am Hut hat. Sein Herz gehört dem Fußball. Aber für seine beiden Mädels ist er dennoch immer da und kümmert sich um das Töchterchen, wenn Lara mit der Garde über die Bühne tanzt oder an den Trainings teilnimmt.

„Ich wünsche mir für die Zukunft, dass alles so freundschaftlich bleibt und ich weiterhin aktiv mit dabei sein kann“,

gibt uns Lara Kühnlein am Ende mit auf den Weg.

Auch von der Faschingsgesellschaft Grün-Weiß Wendelstein bekommen wir Statements für unser Interview.

Die 33-jährige Nathalie Schumann ist seit April 1999 dem Verein treu. Sie begann ihr tänzerisches Hobby als Zwergerl und hat im Laufe der Jahre nun schon alle Garden durch. Im Gespräch mit Nathalie Schuhmann stellen wir schnell fest: Auch bei ihr wird Vereinstreue ganz großgeschrieben. Denn obwohl sie seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Gräfenberg wohnt und vorher schon nach Bamberg gezogen war, kommt sie regelmäßig 1x die Woche zum Training und nimmt auch an Terminen der Vorstandschaft teil.

Seit 2019 trainiert sie die größte Garde des Vereins, die Wendengarde, in der sie selbst auch aktiv beim Showtanz zu sehen ist. 

Diese Doppelfunktion ist kein Problem, eher im Gegenteil, durch ihr aktives Mittun versteht sie viel besser, wo manchmal bei den Schritten und Folgen „der Schuh drückt“.

Da auch Nathalie im vergangenen Jahr für Nachwuchs gesorgt hat, konzentriert sie sich in dieser Saison mehr auf ihre Trainerfunktion. Im nächsten Jahr möchte sie dann aber genauso wieder mit den anderen auf der Bühne stehen.

„Ich empfinde es als schön, dass der ehemals eher belächelte Gardetanz mittlerweile in der Gesellschaft als Hochleistungssport angekommen ist“. Antwortet sie auf unsere Fragen nach den Besonderheiten. „Es ist anstrengendes Ganzkörpertraining, gepaart mit schauspielerischem Talent beim Showtanz, erfordert musikalisches Gehör, Körperbeherrschung und Koordination und gehört wohl zu den vielseitigsten Hobbys überhaupt.“ Als Trainerin bringt sie gerne ihre Kreativität ein und ist selbst überrascht, wie viele Facetten die Aktiven in ihrer Rolle beim Showtanz zeigen.

Ansonsten schätzt sie an ihrem Hobby den Spaß mit Gleichgesinnten, den Teamgeist, die wertvolle Erfahrung und das gute Miteinander im Mannschaftssport.

Nachwuchsprobleme scheinen die Grün-Weißen wohl nicht zu haben. Wir erfahren, dass mit Hochdruck daran gearbeitet wird, eine neue Gruppe zu gründen, um allen Kindern gerecht zu werden und um Kapazitäten für neue Tänzer*innen zu schaffen. Nathalie Schumann ist sich sicher: Das liegt an dem guten Ruf des Vereins und dem Engagement der Trainer, die sich gut um die Kinder kümmern.

Am Ende sprechen wir noch mit Anne Nestmeyer. Zusammen mit ihrem Bruder Paul hat sie wohl etwas Einmaliges geschafft. Das Geschwister-Zwillingspaar tanzt seit 10 Jahren als Einzelpaar im Verein. Wir erreichen Anne telefonisch kurz vor dem großen Kinderfasching, den sie im Verein mit organisiert hat.

„Als Geschwister haben wir von diesem gemeinsamen Sport unglaublich profitiert. Rückblickend hätte ich das mit keinem anderen Menschen außer ihm machen wollen“,

schwärmt sie vom verbindenden Hobby mit ihrem Bruder. „Wir hatten damit immer ein ganz anderes Vertrauensverhältnis. Paul hat mich motiviert, wenn ich gerade am Anfang Angst vor den Hebefiguren hatte. Er hat versprochen, mich aufzufangen und dieses Versprechen hat er auch immer gehalten“.

Doch die beiden haben - mit einem lachenden und einem weinenden Auge, eine wichtige Entscheidung getroffen. Nach 10 Jahren aktivem Tanztraining möchten sie die Bühne freigeben für ein neues Paar im Verein. Einiges wird sich persönlich im Leben der beiden ändern und damit ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Aber komisch ist es schon, wenn die beiden wissen, dass am 10.02. in der Wendelsteiner Waldhalle zur großen Prunksitzung der Zeitpunkt des letzten gemeinsamen Auftrittes gekommen ist.

Doch die junge Arzthelferin einer Schwabacher Kinderarztpraxis ist sich sicher, dass sie dem Gardetanz auch künftig nicht den Rücken kehren werden. Ihr Bruder Paul ist aktiv in der Garde dabei und auch sie engagiert sich bei den Showtänzen. Was die Zukunft sonst noch bringt, das wird sich zeigen. Anne möchte weitere Entscheidungen - vielleicht auch in Richtung Trainerschaft - für sich persönlich etwas nach hinten vertagen und den Fasching im nächsten Jahr einmal aus einer ganz anderen Feier-Perspektive genießen.

Für den Verein wünscht sie sich, dass schnell ein Nachwuchspaar gefunden wird und dass besonders die Jungs Interesse daran zeigen, dieses schöne Hobby für sich zu entdecken. Angst davor zu haben, nicht genug Können mitzubringen, ist aus ihrer Sicht gar nicht nötig. Denn das, was beim Tanz gefordert wird, kann auch mit Ehrgeiz und Willen erreicht werden.

Von: Anja Albrecht (meier Redaktion), Samstag, 20. Januar 2024 - Aktualisiert am Montag, 05. Februar 2024
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