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Der Kampf um die Trassenführung geht in die nächste Runde

Region - Am 29. September luden die beteiligten Parteien, der Bauernverband und Bürgervereine zur Trassenbegehung ein, um der Bevölkerung eindrucksvoll die Dimension der drohenden Baumaßnahme vorzustellen. Das Interesse war enorm, über 400 interessierte Bürger und Bürgerinnen schlossen sich dem langen Demonstrationszug über Felder, Wege und Wiesen an.

  • Die Organisatoren der Trassenbegehung Hans Anschütz (ÖDP) und Stadtrat Harald Dix (SPD) eröffnen die Veranstaltung

    Die Organisatoren der Trassenbegehung Hans Anschütz (ÖDP) und Stadtrat Harald Dix (SPD) eröffnen die Veranstaltung
    © Anja Albrecht

  • Anwohner gegen die aktuellen TenneT Planungen

    Anwohner gegen die aktuellen TenneT Planungen
    © Anja Albrecht

  • Demonstranten jeden Alters äußerten am 29.9. ihre Sorgen

    Demonstranten jeden Alters äußerten am 29.9. ihre Sorgen
    © Anja Albrecht

  • Auch Betroffene aus anderen Regionen schließen sich an

    Auch Betroffene aus anderen Regionen schließen sich an
    © Anja Albrecht

  • Protest der Bauern

    Protest der Bauern
    © Anja Albrecht

  • Rund 400 Bürger taten ihre Meinung kund

    Rund 400 Bürger taten ihre Meinung kund
    © Anja Albrecht

  • Sorge um die Gesundheit von Kindern und Familie

    Sorge um die Gesundheit von Kindern und Familie
    © Anja Albrecht

  • „Nein" des Bauernverbandes zur aktuellen Trassenplanung

    „Nein" des Bauernverbandes zur aktuellen Trassenplanung
    © Anja Albrecht

  • OB Marcus König ruft zu Geschlossenheit auf

    OB Marcus König ruft zu Geschlossenheit auf
    © Anja Albrecht

  • Enorme Beteiligung aus der Bevölkerung

    Enorme Beteiligung aus der Bevölkerung
    © Anja Albrecht

  • Trassengegner

    Trassengegner
    © Anja Albrecht

  • Darstellung der Dimensionen und Nähe zur Neubausiedlung

    Darstellung der Dimensionen und Nähe zur Neubausiedlung
    © Anja Albrecht

  • Großes Interesse bei der Bevölkerung

    Großes Interesse bei der Bevölkerung
    © Anja Albrecht

  • Die Sorge um Landschaft und Leben

    Die Sorge um Landschaft und Leben
    © Anja Albrecht

  • Geplanter Maststandort „54"

    Geplanter Maststandort „54"
    © Anja Albrecht

  • Der OB im Gespräch mit aufgebrachten Gegnern

    Der OB im Gespräch mit aufgebrachten Gegnern
    © Anja Albrecht

Der Schock sitzt tief, seit urplötzlich von TenneT, dem beauftragten Planungsunternehmen, eine unerwartete Änderung der Trassenführung favorisiert wird. Eine Alternative, die so gar nicht im vorangegangenen Raumordnungsverfahren eingebracht wurde. Die Menschen fühlen sich überrumpelt und hilflos, sie fordern den Austausch, die Kommunikation mit der Bevölkerung und die Einhaltung der im Landesentwicklungsprogramm genannten Abstandsregelung. 400 Meter zum nächstgelegenen Wohnhaus sind dort vorgesehen. Leider nur eine Kann-Bestimmung, über die sich TenneT aktuell hinwegsetzt.

Die 400 Meter werden bei der neuen Trassenführung an etlichen Stellen nicht eingehalten.

Nun soll sich also die riesige Stromleitung zwischen Kornburg Nord und Worzeldorf über Äcker in direkter Sichtweite zum Neubaugebiet am Rieterbogen spannen. Eine Erdverkabelung wurde aus Kostengründen von vornherein außer Acht gelassen.

Die betroffenen Anwohner sind entsetzt, die Trassenänderung kam für sie völlig unerwartet und weckt große Sorgen um die Zukunft. Die meisten sind hier erst vor wenigen Monaten ins Neubaugebiet gezogen. Man hat lange darauf gespart und sich auf ein sicheres Heim für die Familie gefreut, richtet sich nach und nach häuslich ein. Es entstehen Gartenteiche und Terrassen, es werden Bäume gepflanzt und Gärten angelegt. Doch jetzt drohen diesem Idyll, in der ohnehin angespannten Zins- und Immobilienlage, ein immenser Werteverfall der Grundstücke, ein Eingriff in die beschauliche Landschaft und noch mehr die echte Angst vor den gesundheitlichen Auswirkungen einer so nahe gelegenen Hochspannungstrasse in Form von Elektrostrahlung. Ein gefordertes Strahlenschutzgutachten ist die TenneT bisher den Bürgern schuldig geblieben. Entschädigungsangebote oder Ausgleichszahlungen gibt es nicht.

Welche Größendimensionen mit diesem Projekt tatsächlich drohen, wird bei der Trassenbegehung für alle sichtbar.

Die Bürgervereine und Organisatoren haben die Flächen der Fundamente mit Absperrbändern gekennzeichnet. Beängstigende Felder von 150 bis 250 qm pro Mast-Fundament werden durch die Maßnahme begreifbar. Bunte Ballons zeigen die gigantischen Höhen der neuen 70-Meter-Masten an. 10 Stück dieser in den Himmel ragenden Stahlriesen sind auf der umkämpften Strecke vorgesehen. Worzeldorf, Eichenlöhlein und Gaulnhofen sollen die Trasse dann im Südosten bekommen. 

Bei der Begehung am 29. September wandert die Menschenmenge zwischen den Pfeilerstandorten 50 bis 54 entlang. Auf den mitgebrachten Schildern wird die Sorge formuliert: „TenneT macht mich krank – schützt unsere Kinder“, „TenneT verbaut die letzte grüne Oase im Süden Nürnbergs“, „Wir sind kein Leukämie-Testgebiet.“

Die Begehung gleicht einer Prozession, einem friedlichen Hilferuf – ein Appell an Politik und Konzerne.

Die Menschen in der langen Schlange der Protestierenden kennen sich, viele scheinen befreundet und nehmen Anteil an ihrem Umfeld. Man sieht Mütter, Väter, Kinder, Großeltern, Paare und Einzelpersonen. Viele haben Warnwesten an und machen durch Signalpfeifen ihrem Unmut Luft. Und alle wünschen sich mehr Gehör. Sie fordern dazu auf, dass das menschliche Wohlbefinden, die Gesundheit Vorrang gegenüber monetärem Kalkül gewinnen müssen. Sie sind nicht gegen einen Ausbau von Stromnetzen, wünschen sich aber von TenneT Antworten, Lösungen und das Eingehen auf ihre Sorgen.

Nach der Trassenbegehung kommen die Menschenmassen südlich des Wäldchens am Feldweg zwischen Kornburg und Eichenlöhlein in Höhe des geplanten Mastes 51 zusammen.

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König lässt es sich nicht nehmen, hier zu den Demonstrierenden zu sprechen.

Vom Traktoranhänger herunter lobt er das Engagement und signalisiert Verständnis für das Aufbegehren. Er ruft die Bevölkerung zum Zusammenhalt auf und verspricht, dass der Stadtrat, der in dieser Sache geschlossen zusammensteht, den Nürnberger Süden nicht im Stich lassen wird. Er äußert ein klares „Ja“ zum Strom, verurteilt aber, was aktuell in den Planungen passiert. „Nürnberg will das nicht, was TenneT plant“, so die Worte des Oberbürgermeisters. Die Verhandlungen mit TenneT bezeichnet er als „extrem schwierig“, das Verhalten der ständig wechselnden Gesprächspartner nennt er „undurchsichtig“. 

Als er sich für die Alternative einer Trassenführung über Waldgebiet ausspricht, wird es in den Reihen laut. „St.-Florians-Prinzip“ wird OB König zornig an den Kopf geworfen. Viele sind überzeugt, dass diese Alternative nur ein Versuch sei, die akute Bedrohung nicht zu lösen, sondern nur zu verschieben.

Es gibt also noch viel zu verhandeln und zu kämpfen im Nürnberger Süden und es bleibt abzuwarten, inwieweit Bürgerbegehren, Regionalpolitik, Konzerne, Landes- und Bundesregierung in dieser Sache eine Einigung herbeiführen können.

Von: Anja Albrecht (meier Redaktion), Samstag, 30. September 2023 - Aktualisiert am Montag, 02. Oktober 2023
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