Die stärkste Kraft im Land – Nichtwähler!

Region - Keine Partei ist so stark wie die der Nichtwähler. Und sie wird ständig größer: Die Zahl der Menschen, die am Wahltag zu Hause bleiben, steigt. Im Klartext heißt das: die Nichtwähler entscheiden über die Regierungsbildung.

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Seit 1949 nimmt die Wahlbeteiligung in Deutschland kontinuierlich ab. Besonders betroffen sind dabei Europa- und Landtagswahlen. Bei den Landtagswahlen in Bayern beträgt die Gruppe der Nichtwähler bis zu 43 Prozent.

Warum mündige Bürger sich nicht aktiv an den demokratischen Prozessen im Land beteiligen, dafür gibt es viele Theorien. Desinteresse, rationale Abwägung, Protest, Parteien- und Politikverdrossenheit und Unzufriedenheiten aller Art werden als Gründe in Betracht gezogen.

Ein weiterer Grund: Faulheit – sagt der Psychologe  Thomas Grüter. Nach seiner These ist es für den Einzelnen irrational, an Wahlen teilzunehmen. „Wirtschaftlich gesehen ist es sinnlos, zur Wahl zu gehen. Man muss […] sich die Zeit nehmen, Wahlprogramme zu studieren und das Wahllokal aufzusuchen.“ Im Gegenzug erhalte man einen winzigen Anteil Mitbestimmung bei der Zusammensetzung des Parlaments. Der Ertrag gehe also gegen Null und rechtfertige – rational betrachtet – keinerlei Aufwand. Oder anders gesagt: es geht einmal mehr um den Frust des Einzelnen, in der Bedeutungslosigkeit der Gesellschaft zu versinken.

Vermutlich liegt die Wahrheit wie immer in der Mitte, also in einer Mischung aus allen möglichen Beweggründen. Sicher ist nur eines: Die Zahl der Nichtwähler steigt nach wie vor. Es sind vor allem die großen Parteien, deren Wähler sich vom Urnengang verabschieden – glaubt Robert Vehrkamp, Politik-Experte der WELT. Das Fatale daran: es gelingt den etablierten Parteien nur unzureichend, Stimmen zurückzuholen, die sie bereits an das Lager der Nichtwähler verloren haben. Nichtwähler zu mobilisieren gelingt bislang vor allem den Rechtspopulisten. Vehrkamp ist überzeugt: Keine der etablierten Parteien verfügt heute über eine Strategie zur Mobilisierung von Nichtwählern – die Afd aber schon. Sie profitiert seiner Meinung nach  weniger von Protestwählern als von ihrer Strategie einer gezielten Nichtwählermobilisierung.

Unabhängig aller Theorien sind einige Wahrheiten unumstößlich: Nichtwähler beeinflussen die Wahl mehr, als ihnen vermutlich bewusst ist (eindrückliche Beispiele hierzu gibt es auf Wikipedia ) und stützen im Zweifelsfalle die AfD. 15 Prozent der Wählerstimmen im aktuellen Bayerntrend schrumpfen auf acht Prozent zusammen, wenn alle  Wahlberechtigten zur Urne gehen. Verteilen sich die rund 43 Prozent Stimmen der Nichtwähler auf alle anderen Parteien, verlieren die Rechtspopulisten an Gewicht.

Briefwahl

Wer den Besuch im Wahllokal als unangenehm empfindet kann diesen leicht durch die Briefwahl umgehen. Unterlagen können schriftlich angefordert oder bis 12. Oktober persönlich bei der entsprechenden Stelle – Infos dazu auf der Wahlbenachrichtigung – abgeholt werden.

Entscheidungshilfen

Auch Entscheidungshilfen werden inzwischen leicht gemacht – mit den Online-Angeboten Wahl-O-Mat, Abgeordnetenwatch oder der App Wahlswiper. Und natürlich kann es nie ein Schaden sein, auch mal einen Blick auf die Seiten der Parteien zu werfen.

Egal, wie intensiv oder unintensiv die Entscheidung getroffen wird – alles ist besser als Nichtwählen!

Von: Kristin Wunderlich (Dipl. Biol.), Samstag, 29. September 2018 - Aktualisiert am Montag, 15. Oktober 2018
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