„In Wendelstein beim Radverkehr kaum Fortschritte“

Wendelstein - Die Gemeinde Wendelstein kommt in Sachen Fahrradfreundlichkeit nach Einschätzung der örtlichen Fahrradszene nur in „Trippelschritten“ voran. Zwar sei das Bemühen der Gemeindeverwaltung spürbar, mehr für den Radverkehr zu tun. „Im Grunde genommen steht Wendelstein aber in diesem Punkt noch ganz am Anfang“, folgert die Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“ (IBgW) nach einer Veranstaltung zum Thema „Radverkehr“. Die IBgW beruft sich dabei auf eine Einschätzung der Meier-Alltagsradler, die bei dem monatlichen IBgW-Teffen eine Bilanz ihrer knapp zehnjährigen Bemühungen zogen, Wendelstein für Radfahrer sicherer und attraktiver zu machen.

  • ... und in Gunzenhausen: Der Radverkehr wird in den Straßenverkehr eingefädelt.

    ... und in Gunzenhausen: Der Radverkehr wird in den Straßenverkehr eingefädelt.
    © Klaus Tscharnke

  • Radverkehr-Wirklichkeit in Wendelstein: Abrupt endende Radwege

    Radverkehr-Wirklichkeit in Wendelstein: Abrupt endende Radwege
    © Klaus Tscharnke

Die IBgW und die Alltagsradler hoffen allerdings, dass ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Verkehrskonzept deutliche Verbesserungen für Nutzer des umweltfreundlichen Fahrrads bringt. Die aktuelle Bewertung der Radlervertreter sieht wie folgt aus: Wendelstein verfügt zwar über ein ganz passables Radweg-Grundnetz. Dies sei aber ausgesprochen lückenhaft. „Die Qualität von Radwegen steht und fällt mit dem Grad ihrer Vernetzung. Und selbst ein top-asphaltierter Radweg ist nutzlos, wenn er ständig unterbrochen wird“, gibt Klaus Tscharnke von den Meier-Alltagsradlern in seinem einführenden Vortrag zu bedenken.

Zu den schmerzlichsten Lücken mit den größten Gefahren für Radfahrer gehöre beispielsweise die Rother Straße in Großschwarzenlohe, die Nürnberger/Schwabacher im Wendelsteiner Hauptort und die Rangaustraße in Kleinschwarzenlohe. In allen drei Fällen würden Radfahrer von abrupt endenden Radwegen auf stark frequentierte Ortsdurchfahrten gezwungen. „Besonders in Kleinschwarzenlohe ist es ein Wunder, dass dort noch kein Radfahrer tödlich verunglückt sei. Hier trifft der von Wendelstein kommende Radweg mitten in einer Kurve auf die verkehrsreiche Rangaustraße“, berichtet Tscharnke. Aber auch an anderen Stellen vermiesen ärgerliche Lücken, etwa bei den Irrlweg-Reihenhäusern im Süden des Hauptortes Gutwilligen das Radfahren.

Nicht minder gefährlich seien die in Wendelstein üblichen abrupt endenden Radwege – ob am Sorger Feuerwehrhaus, der Röthenbacher Straße in Höhe des TSV Wendelstein oder bei der Alten Salzstraße in Höhe der Ortseinfahrt von Röthenbach. Nutzer des klimafreundlichen und gesunden Verkehrsmittels Fahrrad würden dort unvermittelt auf die vorbeiführende Straße gezwungen, oft auch für Autofahrer überraschend. „Dass es auch anders geht, zeigen ausgewiesen fahrradfreundliche Städte wie Gunzenhausen am Altmühlsee“, berichtete der Vertreter der örtlichen Radfahrerszene. Dort gebe es an den endenden Radwegen und auch vor Kreisverkehren Einmündungsspuren für Radfahrer.

Und selbst dort, wo es in Wendelstein ganz ordentliche Radwege gebe, riskierten Radfahrer von ein- und ausfahrenden Autofahrern angefahren zu werden. Als Beispiel führte Tscharnke die Straße Am Kohlschlag und der Straße In der Gibitzen an, die eine zentrale Route für den Schülerverkehr zum Gymnasium und der Waldorfschule darstelle. „Hier gehört dringend und möglichst durchgängig ein Rotbelag samt Fahrradpiktogrammen auf den Radweg aufgebracht, damit auch dem letzten Autofahrer klar werde, dass er beim Einbiegen mit Radverkehr rechnen muss“, gibt der Alltagsradler zu bedenken.

Hoffen lässt nach Tscharnkes Einschätzung nicht nur das von der Gemeinde geplante Verkehrskonzept, sondern auch Pläne im Wendelsteiner Rathaus, sich um eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) zu bewerben. Auch die IBgW wertet entsprechende Überlegungen als Hinweis, dass zumindest ein Teil der örtlichen Politiker die Bedeutung des Fahrrads als wichtigen Teil der erforderlichen Verkehrswende erkannt habe. Allerdings seien die Hürden für eine AGFK-Mitgliedschaft hoch. Auch ohne eine Mitgliedschaft seien Verbesserungen in Wendelstein überfällig. Denn mit der wachsenden Verbreitung des E-Bikes und Pedelecs werde der Radverkehr auch in der Marktgemeinde zunehmen und zudem schneller, gibt die IBgW zu bedenken.

www.ibgw.info

Von: Kristin Seelmann (Sprecher), Montag, 13. Mai 2019 - Aktualisiert am Donnerstag, 23. Mai 2019
Weitere Informationen, Artikel und Termine von »Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“« finden Sie unter: www.meier-magazin.de/initiative-buerger-gestalten-wst
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